11vor11-Gottesdienst vom 14.02.2021 in Romanshorn

von

Audio Predigt

Info und Kontakte

Gottesdienstleitung: Sarah Fakhoury

Musik: 11vor11-Band

Mesmer: David Züllig

Ablauf und Predigt als Text

„Seid barmherzig,

wie auch euer Vater barmherzig ist.“

 

ICH WUSSTE, DASS DU BARMHERZIG BIST!

11vor11-Gottesdienst vom Sonntag, 14. 2. 2021

Predigt zu Jona 1-4

 

Einleitung

Aber der Engel sagte: „Fürchtet euch nicht! Ich verkünde euch eine Botschaft, die das ganze Volk mit grosser Freude erfüllen wird: Heute ist für euch in der Stadt, in der schon David geboren wurde, der versprochene Retter zur Welt gekommen. Es ist Christus, der Herr.“           (Lukas 2, 10-11)

Liebe Gemeinde und Gäste, liebe Kinder und Erwachsene

liebe Zuhörerinnen und Zuhörer im Pflegeheim und via Internet,

     herzlich willkommen zum 11vor11-Gottesdienst.

     Keine Sorge: Ich weiss, dass Weihnachten schon seit fast zwei Monaten vorbei ist. Wegen Weihnachten habe ich den Text aus Lukas 2 auch nicht ausgewählt. Aber wegen des Inhalts, wegen seiner Aussage: Der Engel kommt mit einer grossen, lebensverändernden Botschaft zu den Hirten. Es ist eine frohe Botschaft, die Hoffnung weckt.

     Im Theater und in der Predigt werden wir auch einen Boten mit einer Botschaft antreffen. Seine Botschaft ist aber nicht so hoffnungsvoll und vielversprechend. Im Gegenteil: Er muss einer Stadt den Untergang ansagen. Und doch wird seine Botschaft lebensverändernd, ja lebenserhaltend – weil Gott barmherzig ist.

     Ich wünsche uns – Ihnen und mir –, dass wir auch immer wieder solche lebensverändernden, lebenserhaltenden Botschaften von Gott hören und sie uns zu Herzen nehmen, sodass sie positive Auswirkungen auf uns und durch uns haben.

 

Predigt zu Jona 1-4

„Ach Herr, genau das habe ich vermutet, als ich noch zu Hause war! Darum wollte ich ja auch nach Spanien fliehen. Ich wusste es doch: Du bist voll Güte und Erbarmen, du hast Geduld mit den Menschen, deine Liebe hat keine Grenzen. Du lässt dich immer wieder umstimmen und machst deine Drohungen nicht wahr. Herr, ich mag nicht mehr weiterleben. Ich möchte am liebsten tot sein!“

     So klagt Jona Gott, nachdem Gott Ninive verschont hatte.

     Komisch: Jona will sterben, weil andere leben.

     Merkwürdig: Jona ärgert sich, weil Gott Erbarmen zeigt.

     Jona motzt, weil es nicht nach seinem Willen geht und die Barmherzigkeit nicht – oder eher: nicht nur – ihm, sondern auch den anderen gilt.

     Das ist allzu menschlich und irgendwie verständlich…

     „Ich wusste, dass du barmherzig bist!“

     Gott ist barmherzig. Zu allen Menschen. Zu den Menschen in Ninive. Zu den Menschen in der Schweiz. Zu uns. Und auch zu Jona. Jona hätte keinen Grund gehabt, eifersüchtig zu sein. Denn Gott geht nicht nur mit den anderen barmherzig um. Er begegnet auch Jona barmherzig:

     - Jona stirbt nicht, als er ins Meer geworfen wird.

     - Jona bekommt eine Gelegenheit, seinen Fehler gutzumachen. Er wird ein zweites Mal nach Ninive geschickt – obwohl er das erste Mal versagt hat. Nun kann er Gott zeigen, dass er seine Flucht und sein törichtes Verhalten bereut, und kann „den Schaden begrenzen“, wie man so schön sagt.

     - In Ninive verkündet Jona, was Gott ihm für die Stadt aufgetragen hat, und ist sehr erfolgreich. Sogar der König hört, was Jona zu sagen hat, und ordnet eine nationale Umkehr an! Welcher Pfarrer, welcher Diakon kann von sich sagen, dass sich nach seinem Gottesdienst eine ganze Stadt geändert hat und zu Gott umgekehrt ist?

     Aber auch das passt Jona nicht. Er fällt wieder in den alten Trott zurück. In die Eifersucht. Ins Gefühl, zu kurz zu kommen. In den Frust, dass nicht alles nach seiner Vorstellung läuft.

     Hat er so schnell vergessen, dass auch er Gottes Barmherzigkeit erlebt hat? Dass er, ohne Gottes gnädiges Eingreifen, im Meer gestorben wäre? Dass es um ihn gar nicht anders stand als um Ninive? Kennt er Gott so schlecht, dass er nicht weiss, dass Gott zwar Richter ist, aber auch liebender Vater? Und dass Gott barmherzig sein kann, mit wem er will – sowohl mit Ninive als auch mit seinem sturen Propheten Jona?

     Nun tönt es fast so, als hätte auch ich ein Problem mit Gottes grosszügiger Barmherzigkeit. Als hätte ich etwas dagegen, dass Gott zu Jona barmherzig war. Zu Jona – diesem eifersüchtigen Mann, der Gott davonläuft und lieber sein eigenes Ding dreht. Und der dann trotzig wie ein Kleinkind aufbegehrt, wenn ihm etwas nicht in den Kram passt.

     Nun tönt es fast so, als wäre ich Jona… – eifersüchtig, aufbegehrend, trotzig.

     Huch – das ist dicke Post an diesem Sonntagmorgen. Aber ein Stück weit wohl auch wahre Post. Denn, wenn ich ganz ehrlich bin: Ich war auch schon eifersüchtig. Ich habe auch schon lieber meinen eigenen Kopf durchgesetzt. Ich habe auch schon aufbegehrt, als mir etwas nicht in den Kram passte…

     Und Sie?

     Kennen Sie dieses „Jona-Syndrom“ auch?

     Eifersucht, eigener Kopf, aufbegehren?

     Gute Nachricht Nummer eins: Das beweist, dass Sie ein ganz gewöhnlicher Mensch sind. Ein Mensch mit seinen Stärken und Schwächen. Sie sind nicht „komisch“ oder „andersartig“. Sie sind einfach ein Mensch.

     Gute Nachricht Nummer zwei: Schon zu Zeiten der Psalm- und Spruchschreiber war dieses Phänomen bekannt und ein Thema. Es beschäftigte die Leute und sie schrieben auf, was man in solchen Situationen tun soll. Mehrere Ratschläge davon sind uns erhalten:

     Psalm 37, 1-2: „Reg dich nicht auf über Menschen, die Gottes Gebote missachten! Und wenn es den Unheilstiftern gut geht, beneide sie nicht! Denn wie das Gras verdorren sie bald, sie welken und gehen ein wie grünes Kraut.“

     Sprüche 3, 31-32: „Beneide keinen gewalttätigen Menschen um seine Erfolge und nimm ihn nicht zum Vorbild! Denn der Herr verabscheut alle, die krumme Wege gehen; aber die Rechtschaffenen macht er zu seinem Vertrauten.“

     Sprüche 24, 19-20: „Entrüste dich nicht über die Übeltäter! Ereifere dich nicht gegen die Gottlosen! Denn für den Bösen gibt es keine Zukunft, die Leuchte der Gottlosen erlischt.“

     Gute Nachricht Nummer drei – und in meinen Augen die beste Nachricht: Weil Sie und ich ganz gewöhnliche Menschen sind, bekommen wir von Gott die ganz gewöhnliche Behandlung: Er ist barmherzig mit uns. Er liebt uns – Sie und mich – trotz unserer Fehler und Eifersüchteleien. Er schenkt uns trotzdem eine „Schattenpflanze“, unter der wir uns von den Strapazen und der Hitze des Tages ausruhen können.

     Und gute Nachricht Nummer vier – die auch beste Nachricht: Das „Jona-Syndrom“ muss nicht lebenslänglich an Ihnen und an mir haften. Wir dürfen Gott um Hilfe bitten, uns davon zu befreien. Uns ein offenes, liebendes, barmherziges Herz zu geben – sodass wir, analog zu Jona, ausserhalb Ninives unter dem Schattenbaum sitzen UND uns darüber freuen können, dass Ninive nicht in Schutt und Asche aufgeht, sondern von Gott verschont bleibt.

     Wie sagte Gott zu Jona? „Und mir sollte nicht diese grosse Stadt Ninive leidtun, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben, die rechts und links noch nicht unterscheiden können, und dazu noch das viele Vieh?“

     In Hesekiel 18,32 heisst es: „Ich habe keine Freude daran, wenn ein Mensch wegen seiner Vergehen sterben muss. Das sage ich, der Herr, der mächtige Gott. Also kehrt um, damit ihr am Leben bleibt!“

     Gott will nicht, dass die Leute von Ninive wegen ihrer Sünden sterben. Er ist barmherzig und vergibt ihnen, nachdem sie umgekehrt sind.

     Und ebenso will Gott auch nicht, dass wir – Sie und ich – wegen unserer Sünden sterben. Und weil wir es nicht aus eigener Kraft schaffen, sündlos zu leben, ist Gott barmherzig mit uns.

     Er ist barmherzig, indem er uns den Retter schenkt. Jesus Christus, der alle unsere Verfehlungen auf sich nahm und dafür bezahlte. Jesus starb, damit wir leben können.

     So wie Jona ins Meer geworfen wurde, damit die Schiffsmannschaft überlebt, so wurde Jesus ans Kreuz genagelt, damit die Menschheit überlebt. Und so wie Jona nach drei Tagen wieder an Land kam und ins Leben zurückkehrte, so kam Jesus am dritten Tag auch wieder ins Leben zurück.

     Wer dies glaubt und diese Rettungstat – die Sündenvergebung durch Jesus – annimmt, wird leben. Auch nach dem irdischen Tod.

     „Ich wusste, dass du barmherzig bist!“, klagte Jona.

     „Ich weiss, dass du, Gott, barmherzig bist!“, können wir uns freuen.

     Amen.

Segen

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus

und die Liebe Gottes

und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes

sei mit euch allen.

Amen.

 

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