Gottesdienst vom 03.10.2021 in Romanshorn

von

Audio Predigt

Info und Kontakte

Gottesdienstleitung: Martina Brendler

Musik: Bruno Sauder

Mesmer: Edith Lengacher

Predigt als Text

Thema: Gottes klare Ansage

Predigttext: 1. Könige 21, 1-4

Liebe Gemeinde,

man soll den Leuten aufs Maul schauen und dann so reden, wie sie es verstehen, in ihrer Sprache, das hat Martin Luther gesagt und deshalb die Bibel auf Deutsch übersetzt.

Klingt logisch – und bei ihm hat es funktioniert. Die Idee, das Wort Gottes nicht mehr in einer Kirchensprache, nämlich in Latein zu verkündigen, hat sich durchgesetzt. Wir haben heute die Bibel in vielen gesprochenen und geschriebenen Sprachen.

Wenn ich in einer Verhandlung bin und etwas erreichen will, muss ich so reden, wie es mein Gegenüber gewohnt ist, in seiner oder ihrer Sprache, wenn es irgendwie möglich ist. Ich muss das, worum es geht, übersetzen, verpacken, damit es ankommt.

Das klingt einfach, ist es aber nicht.

Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler – das ist genau dieselbe Idee: ich will ein Produkt oder eine Idee unters Volk bringen, ich will, dass mir viele glauben, also muss ich so reden oder handeln, dass die Leute es verstehen. Das nennen wir Kommunikation.

Gott kann das auch.

Die Bibel ist voll von Geschichten, in denen Gott redet – und sich dabei jeweils der Situation und den Menschen anpasst, mit denen er redet, an die seine Botschaft gerichtet ist: so auch im Predigttext für heute, einer Geschichte, die im 1. Könige buch Kapitel 21, steht.

Da redet Gott mit einem König einem Herrscher. Der Heisst Ahab. Dieser König hat etwas gemacht, was Gott nicht gefällt.

Er hat einem anderen etwas weggenommen. Etwas, das der König überhaupt nicht braucht. Etwas, das schon lange einem anderen gehört: Hören wir auf 1. Könige 21, 1-4:

Nach einiger Zeit geschah Folgendes: König Ahab von Samaria hatte in der Stadt Jesreel einen Palast. Unmittelbar daneben lag ein Weinberg, der einem Einwohner der Stadt namens Nabot gehörte. 2 Eines Tages sagte der König zu Nabot: »Überlass mir deinen Weinberg! Er grenzt direkt an meinen Palast und wäre gerade der rechte Platz für einen Gemüsegarten. Ich gebe dir dafür einen besseren, oder wenn es dir lieber ist, bezahle ich ihn dir in gutem Geld.« 3 Aber Nabot erwiderte: »Der Herr bewahre mich davor, dass ich dir den Erbbesitz meiner Vorfahren gebe!« 4 Der König war verstimmt und zornig, weil Nabot ihm eine solche Antwort gegeben hatte. Er ging in den Palast, legte sich auf sein Bett und drehte sich zur Wand; er rührte keinen Bissen an.

Das ist kein guter König in den Augen Gottes. Wenn diese Geschichte auf Facebook wäre, würde es ein «dislike» geben: Daumen nach unten. Auch in den Augen der Leserinnen und Lesern soll das so sein: Warum muss ein König, der ja schon alles hat, unbedingt einen Weinberg haben, nur weil er ihn haben will?

Und es kommt noch besser. König Ahab bekommt Unterstützung:

Vers 5-7: Seine Frau Isebel ging zu ihm hinein und fragte: »Warum bist du so verstimmt? Warum isst du nichts?« 6 Ahab antwortete: »Mehr als einmal habe ich Nabot aus Jesreel zugeredet und gesagt: ›Gib mir deinen Weinberg! Ich bezahle ihn dir, oder wenn es dir lieber ist, gebe ich dir einen andern dafür.‹ Aber er bleibt dabei: ›Meinen Weinberg bekommst du nicht!‹«  Da sagte seine Frau Isebel zu ihm: »Bist nicht du der König im Land? Steh auf, sei wieder vergnügt und lass es dir schmecken! Ich werde dir Nabots Weinberg schon verschaffen.«

König und Königin machen gemeinsame Sache: Sie bringen Nabot, den Besitzer des Weinberges um. Sie könnten das natürlich einfach so tun, aber um das Ganze noch spannender zu machen und um deutlich zu machen wie schlimm dieser König Ahab und seine Königin Isebel sind, wird ausgeführt, dass sie es grausam und hinterlistig tun: Die Königin schafft es, dass Nabot vor Gericht beschuldigt wird, dass zeugen falsch aussagen und dass er gesteinigt wird wegen etwas, was er nicht getan hat. Sie verstossen damit gegen das Gebot: «du sollst nicht falsch aussagen vor Gericht» (das, was wir immer mit du sollst nicht lügen übersetzen) und sie ermorden einen Unschuldigen.

«Dann ließen die Ältesten der Stadt Isebel melden: »Nabot ist tot, man hat ihn gesteinigt.« 15 Als Isebel die Nachricht erhielt, sagte sie zu Ahab: »Auf, nimm den Weinberg in Besitz! Dieser Nabot aus Jesreel, der sich geweigert hat, ihn dir zu verkaufen – er lebt nicht mehr, er ist tot!«16 Als Ahab hörte, dass Nabot tot war, ging er sofort hinunter, um Nabots Weinberg in Besitz zu nehmen.

All das ist nicht gut – weder in unseren noch in Gottes Augen.

Und endlich – Gott greift ein! Gott redet Klartext. So, dass der König versteht. Gott benutzt dafür einen Propheten. Der muss zum König gehen und ihm von Gott ff. Botschaft übermitteln. Diese ist dem Verhalten des Königs angemessen, absolut tödlich. Der Prophet Elia richtet dem König in Gottes Namen aus: Vers 19:

«Erst mordest du und dann raubst du! So spricht der Herr: Wo die Hunde das Blut Nabots aufgeleckt haben, dort werden sie auch dein Blut auflecken.‹ Und weiter: «Ich werde dich und deine Familie ins Unglück stürzen. Du selbst musst sterben, und alle deine männlichen Nachkommen werde ich ausrotten, die mündigen wie die unmündigen.»

Krass, nicht wahr? Unerhört. Gott der Liebe und des Friedens? Barmherzig und gütig?

Gott muss so sprechen. Sonst wird der König das nicht verstehen. Es gibt Menschen, die verstehen nur klare Ansagen. Und dieser Ahab war in den Augen der Bibel so einer.  Ein schlechter König: Skrupellos, narzisstisch, machtgierig, und manipulierbar.  Immerhin versteht er diese Androhung, die Gott ihm gibt, diese Ansage ohne Pardon – und reagiert:

Ahab zerriss vor Entsetzen sein Gewand. Er zog den Sack an, trug ihn auf der bloßen Haut und legte ihn selbst zum Schlafen nicht ab. Bedrückt ging er umher und wollte kein Essen anrühren.

 

Gottes Ansage hatte Erfolg.

Gott weiss, wie man mit solchen Typen umgehen muss, welche Sprache sie verstehen. Und er benutzt sie auch.

Liebe Gemeinde, Gott redet Klartext mit einem verbrecherischen Ehepaar – manchmal wünschte ich mir, er würde es heute noch tun. Manchmal wünsche ich mir, es gäbe heute noch Propheten, die von Gott beauftragt werden, Recht und Gerechtigkeit zu sprechen und das so deutlich täten wie Elia, der Prophet der in unserer Geschichte auftritt.

Denn solche Beispiele von schreiender Ungerechtigkeit, von Raub und Mord und Verbrechen in grossem Stil, die gibt es weltweit auch heut noch. Die heissen nicht König Ahab, missbrauchen aber ihre Macht genauso und richten viel Unheil an. Um das zu wissen, muss man nur Zeitung lesen oder Nachrichten hören oder vielleicht mal eine Dokumentation eines unabhängigen Fernsehsenders anschauen. Aber Machtmissbrauch zu welcher Zeit auch immer ist in Gottes Augen nicht gut. Bei niemandem. Auch nicht bei einem König. Diese Botschaft gilt auch heute.

Klare Ansage. Keine Kuschelei.

Auch der König darf nicht tun, was er will, Auch der König muss sich Gottes Gesetz beugen.

In unserer Geschichte spürt man beim zweiten Hinsehen, dass es nicht nur um Grund und Boden und Gerechtigkeit geht. In den Augen derer, die diese Geschichte aufgeschrieben haben, war noch ein anderes Verhalten dieses Königs bestrafungswürdig, nämlich die Tatsache, dass er und seine Frau andere Götter angebetet hatte. Der Verstoss gegen das erste Gebot. Das ist in den Augen derjenigen, die uns diese Geschichte überliefert haben, ein genauso grosses Verbrechen wie der Raub des Weinberges, wenn nicht noch grösser.

«Weil du meinen Zorn herausgefordert und die Leute im Reich Israel zum Götzendienst verleitet hast, werde ich deiner Familie das gleiche Schicksal bereiten wie den Familien von Jerobeam und von Bascha.» (Das waren Könige vor dem Ahab)

In Zeiten der Glaubensfreiheit und vielleicht auch der Beliebigkeit sehen wir das nicht mehr als Kapitalverbrechen, für gläubige Menschen in Israel war und ist das aber grundlegend: «Höre, Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig» ist das bis heute

Gültige Glaubensbekenntnis im Judentum. Auch deshalb, weil er das nicht beachtet hat, war Ahab kein guter König.

Halten wir fest: Auch ein König muss sich an Gottes Gebote halten. Er darf seine Macht nicht missbrauchen. Und wenn es sein muss, dann redet Gott Klartext auch mit Königen und zieht sie für ein Fehlverhalten zur Rechenschaft.

Was ist aus dem Ahab geworden? Und seinem Sohn?

1Kön 22,40:

Was es sonst noch über Ahab und seine Taten zu berichten gibt, über seinen elfenbeingeschmückten Palast und die Städte, die er befestigt hat, das ist in der amtlichen Chronik der Könige von Israel nachzulesen. 40 Als er starb, wurde sein Sohn Ahasja sein Nachfolger.

2Kön 9,26:  Der Sohn heisst Aram und stirbt durch einen Pfeilschuss und sein Leichnam wird dort, wo der Nabot gesteinigt wird, hingeworfen.

Und die Frau, die Isebel ? Die wird später aus einem Palastfenster gestossen und stirbt so auf unnatürliche Weise.

Ein happy end ist das nicht. Und herzerwärmend auch nicht gerade.

Vielleicht können wir die Geschichte nur verstehen aus der Sicht aller Nabots und seiner Nachkommen, die auf Gerechtigkeit hoffen. Aus der Sicht aller derer, die unter der Willkür und Ungerechtigkeit der Mächtigen leiden und die sich danach sehnen, dass aus der Sicht all derer, die auf Gottes Eingreifen und Gottes Machtspruch gewartet haben, viele auch vergeblich, und noch heute warten. Die sich danach sehnen, dass Gott auch heute noch eingreifen möge und dem Machtmissbrauch Schranken setzen möge.

Ich bin froh, dass unsere Geschichte heute die Erinnerung wachhält an Gottes Eingreifen gegen die, die Macht missbrauchen. Das gibt uns nämlich Hoffnung, dass man das ändern kann und muss und hindert uns an Resignation, daran zu sagen, naja, das ist nun mal so, das ist der Lauf der Dinge.

Solche Geschichten, in denen Gott selbst Machtmissbrauch betraft, hindern uns daran, eben diesen Missbrauch zu akzeptieren.

In Gottes Augen nicht gut – das bedeutet, wir nehmen Machtmissbrauch nicht hin, wir nehmen es nicht hin, wenn ein Kind missbraucht wird, oder ein Kollege gemobbt wird, oder sonst jemand «unter die Räder kommt» - das soll in Gottes Augen nicht sein. Und die, die das machen, denen soll Einhalt geboten werden. Und das gilt für uns alle, ob König, Königin oder nicht.

 

 

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Food for the Hungry Vreni Rutishauser

FH Schweiz ist eine christliche Entwicklungsorganisation, die 1996 gegründet wurde und ihren Sitz in Genf hat. Seit 2007 hat FH Schweiz auch ein Büro in der Deutschchweiz. FH bekämpft  Armut in allen Formen und dies in Zusammenarbeit mit den betroffenen Gemeinschaften und Familien. FH konzentriert sich auf die Entwicklung der Dorfgemeinschaften. Dabei verfolgen sie das Ziel, Ernährungssicherheit für alle zu gewährleisten, sowie die Lebensbedingungen der Familien und Gemeinschaften zu verbessern. Daran sind die Begünstigten aktiv beteiligt und ihre Kompetenzen als Einzelne und als Gemeinschaft werden gestärkt.

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