Gottesdienst vom 08.11.2020 in Romanshorn

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Info und Kontakte

Gottesdienstleitung: Sarah Fakhoury und Freiwillige

Musik: Bruno Sauder

Mesmer: David Züllig

Ablauf und Predigt als Text

Alles war sehr gut – und wie ist es heute?

Laiensonntag, 8. 11. 2020

Predigt zu 1. Mose 1, 26-31a und Matthäus 5, 13-15

 

Ich blicke zum Himmel und sehe, was deine Hände geschaffen haben: den Mond und die Sterne – allen hast du ihren Platz zugewiesen.

Was ist da schon der Mensch, dass du an ihn denkst?

Wie klein und unbedeutend ist er, und doch kümmerst du dich um ihn.       Psalm 8, 4+5 (bibleserver.com; Hoffnung für Alle)

Mit diesem Vers aus Psalm 8, 4+5 möchte ich Sie, liebe Gemeinde, herzlich willkommen heissen zum heutigen Laiensonntag.

     Ist es nicht wundervoll, wie Gott unsere Welt geschaffen hat? Und nicht noch schöner, dass Er sich um uns kleinen Menschen auf diesem Planeten kümmert? Gerade in der aktuellen Zeit wird mir bewusst, wie wundervoll Gott unsere Natur geschaffen hat: Wenn ich alleine in meinem Zimmer sitze, die Vorlesung über Zoom anschaue und den ganzen Tag nicht nach draussen in die schöne Natur kann und nur auf einen Bildschirm schaue und maximal virtuell noch irgendjemanden treffe. So wird mir wieder bewusst, wie schön wir es hier haben, wie schön Gott die Natur geschaffen hat und wie wichtig es ist, diese wunderschöne Natur wertzuschätzen und zu geniessen.

 

Lesungstexte und Kurztheaterszenen:

1. Mose 1, 26-31a:

26 Dann sprach Gott: »Nun wollen wir Menschen machen, ein Abbild von uns, das uns ähnlich ist! Sie sollen Macht haben über die Fische im Meer, über die Vögel in der Luft, über das Vieh und alle Tiere auf der Erde und über alles, was auf dem Boden kriecht.«

27 So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, als Gottes Ebenbild schuf er sie und schuf sie als Mann und als Frau.

28 Und Gott segnete die Menschen und sagte zu ihnen: »Seid fruchtbar und vermehrt euch! Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz! Ich setze euch über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und alle Tiere, die auf der Erde leben, und vertraue sie eurer Fürsorge an.«

29 Weiter sagte Gott zu den Menschen: »Als Nahrung gebe ich euch die Samen der Pflanzen und die Früchte, die an den Bäumen wachsen, überall auf der ganzen Erde.

30 Den Landtieren aber und den Vögeln und allem, was auf dem Boden kriecht, allen Geschöpfen, die den Lebenshauch in sich tragen, weise ich Gräser und Blätter zur Nahrung zu.« So geschah es.

31 Und Gott sah alles an, was er geschaffen hatte, und sah: Es war alles sehr gut.

 

 

 

Theater 1:

Adam und Eva sitzen auf einem Felsblock und geniessen den Sonnenuntergang:

 

Eva:  „Das war wieder mal ein wunderschöner Tag. Hast du auch gesehen, wie die jungen Lämmer die verschiedenen Gräser beschnuppert haben? Als sie dann etwas nach ihrem Geschmack gefunden haben, haben sie sich toll und voll gefressen und freudige Luftsprünge gemacht.“

Adam lacht: „Ja, ich habe sie auch beobachtet. Dabei müssten diese Feinschmecker gar nicht so wählerisch tun. Schliesslich hat Gott ihnen und den anderen Tieren ausdrücklich alles Kraut als Nahrung zur Verfügung gestellt. Alles ist also für sie…“

Eva:  „Ach komm, Adam, sei nicht so hart in deinem Urteil. Wir Menschen sind ja auch wählerisch. Oder zumindest ich bin wählerisch. Mir schmecken Birnen besser als Pflaumen. Obwohl Gott uns beide – und alle anderen – Fruchtbäume gegeben hat.“

Adam: „Ja, ja, ich habe schon gemerkt, dass du Birnen magst: Birnenkuchen, Birnenkompott, Birnensaft… Aber eigentlich wollte ich etwas Anderes sagen: Gott hat diese Welt sehr schön gemacht. Und ich fühle mich geehrt, dass Gott auch uns beiden erschaffen hat. Ich bin froh, habe ich dich an meiner Seite. Gemeinsam schaffen wir es, Gottes Auftrag zu erfüllen.“

Eva:  „Du meinst, die Tiere zu bändigen und über sie zu herrschen?“

Adam: „Nein, Eva, nicht bändigen und beherrschen! Sondern sie und die ganze Schöpfung bewahren. Die Erde so bebauen und brauchen, dass es für alle reicht. Dass die Tiere im Wasser, in der Luft, in der Erde und auf der Erde ihren Lebensraum behalten; dass sich die Pflanzen entwickeln können; und dass auch wir das haben, was wir zum Leben brauchen.“

Eva:  „Und hat uns Gott nicht nach seinem Bilde geschaffen? Hat er uns nicht seinen Geist gegeben? Hat er nicht seine Kreativität in uns gelegt, sodass auch wir kreativ sein können? Hat er nicht seine Liebe in uns gelegt, damit auch wir lieben können? Hat er nicht seine Freude in uns gelegt, damit auch wir uns freuen und Freude verbreiten können? Er hat das echt gut gemacht!“

Adam: „Ja, das hat er. Komm, wir machen unseren Abendspaziergang durch den Garten. Ich hoffe, wir treffen Gott dabei an. Zeit mit ihm zu verbringen hilft mir nämlich, seinen Auftrag vor Augen zu behalten und ihn erfüllen zu können.“

Eva:  „Gute Idee – gehen wir.“

 

1. Mose 3:

1 Die Schlange war das klügste von allen Tieren des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie fragte die Frau: »Hat Gott wirklich gesagt: ›Ihr dürft die Früchte von den Bäumen im Garten nicht essen‹?«

2 »Natürlich dürfen wir sie essen«, erwiderte die Frau,

3 »nur nicht die Früchte von dem Baum in der Mitte des Gartens. Gott hat gesagt: ›Esst nicht davon, berührt sie nicht, sonst müsst ihr sterben!‹«

4 »Nein, nein«, sagte die Schlange, »ihr werdet bestimmt nicht sterben!

5 Aber Gott weiss: Sobald ihr davon esst, werden euch die Augen aufgehen; ihr werdet wie Gott sein und wissen, was gut und was schlecht ist. Dann werdet ihr euer Leben selbst in die Hand nehmen können.«

6 Die Frau sah den Baum an: Seine Früchte mussten köstlich schmecken, sie anzusehen war eine Augenweide und es war verlockend, dass man davon klug werden sollte! Sie nahm von den Früchten und ass. Dann gab sie auch ihrem Mann davon und er ass ebenso.

7 Da gingen den beiden die Augen auf und sie merkten, dass sie nackt waren. Deshalb flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Lendenschurze.

8 Am Abend, als es kühler wurde, hörten sie, wie Gott, der Herr, durch den Garten ging. Da versteckten sich der Mensch und seine Frau vor Gott zwischen den Bäumen.

9 Aber Gott rief nach dem Menschen: »Wo bist du?«

10 Der antwortete: »Ich hörte dich kommen und bekam Angst, weil ich nackt bin. Da habe ich mich versteckt!«

11 »Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?«, fragte Gott. »Hast du etwa von den verbotenen Früchten gegessen?«

12 Der Mensch erwiderte: »Die Frau, die du mir an die Seite gestellt hast, gab mir davon; da habe ich gegessen.«

13 Gott, der Herr, sagte zur Frau: »Was hast du da getan?« Sie antwortete: »Die Schlange ist schuld, sie hat mich zum Essen verführt!«

14 Da sagte Gott, der Herr, zu der Schlange: »Verflucht sollst du sein wegen dieser Tat! Auf dem Bauch wirst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang – du allein von allen Tieren.

15 Und Feindschaft soll herrschen zwischen dir und der Frau, zwischen deinen Nachkommen und den ihren. Sie werden euch den Kopf zertreten, und ihr werdet sie in die Ferse beissen.«

16 Zur Frau aber sagte Gott: »Ich verhänge über dich, dass du Mühsal und Beschwerden hast, jedes Mal wenn du schwanger bist; und unter Schmerzen bringst du Kinder zur Welt. Es wird dich zu deinem Mann hinziehen, aber er wird über dich herrschen.«

17 Und zum Mann sagte Gott: »Weil du auf deine Frau gehört und mein Verbot übertreten hast, gilt von nun an: Deinetwegen ist der Acker verflucht. Mit Mühsal wirst du dich davon ernähren, dein Leben lang.

18 Dornen und Disteln werden dort wachsen, und du wirst die Pflanzen des Feldes essen.

19 Viel Schweiss musst du vergiessen, um dein tägliches Brot zu bekommen, bis du zurückkehrst zur Erde, von der du genommen bist. Ja, Staub bist du, und zu Staub musst du wieder werden!«

20 Der Mensch nannte seine Frau Eva, denn sie sollte die Mutter aller Menschen werden.

21 Und Gott, der Herr, machte für den Menschen und seine Frau Kleider aus Fellen.

22 Dann sagte Gott: »Nun ist der Mensch wie einer von uns geworden und weiss, was gut und was schlecht ist. Es darf nicht sein, dass er auch noch vom Baum des Lebens isst. Sonst wird er ewig leben!«

23 Und er schickte den Menschen aus dem Garten Eden weg, damit er den Ackerboden bearbeite, aus dem er gemacht war.

24 So trieb Gott, der Herr, die Menschen hinaus und stellte östlich von Eden die Keruben und das flammende Schwert als Wächter auf. Niemand sollte zum Baum des Lebens gelangen können.

 

Matthäus 5, 13-15:

13 »Ihr seid das Salz für die Welt. Wenn aber das Salz seine Kraft verliert, wodurch kann es sie wiederbekommen? Es ist zu nichts mehr zu gebrauchen. Es wird weggeworfen und die Menschen zertreten es.

14 Ihr seid das Licht für die Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.

15 Auch zündet niemand eine Lampe an, um sie dann unter einen Topf zu stellen. Im Gegenteil, man stellt sie auf den Lampenständer, damit sie allen im Haus Licht gibt.

         

          (alle Bibeltexte von: www.bibleserver.com; Gute Nachricht Bibel.)

 

Theater 2:

Zwei Kolleg/innen sitzen auf Stühlen und diskutieren miteinander über Salz und Licht. A isst ein Stück Brot.

 

A: „Igh, was ist mit diesem Brot los? Es schmeckt gar
     nicht!“

B: „Warum? Zeig her – was ist los?“

à nimmt sich ein Stück Brot aus dem Brotsack

     „Du hast recht, das schmeckt nicht. Es ist fad! Hat der Bäcker vergessen, Salz reinzutun?“

A, zögerlich: „Also… der Bäcker… bin ich. Aber ich habe Salz
     reingetan! Aber nicht ganz so viel wie das letzte Mal. Da
     hatte ich das Brot heillos versalzen…“

B, lachend: „Bist wohl verliebt! Aber vielleicht war das Salz vom Datum her abgelaufen und hat seine Wirkungskraft
     verloren.“

A: „Ach was! Salz hat doch kein Ablaufdatum!“

B: „Aber irgendwie kann es doch schlecht werden. Es hiess
     doch gerade im Text, dass Salz nutzlos werden kann.“

A: „Vielleicht wird es nutzlos, wenn man es mit anderen
     Sachen mischt? Wenn es also schmutzig wird? Oder
     vielleicht ist es nutzlos, wenn man zu wenig davon
     nimmt? Dann ist es offensichtlich wirkungslos, wie uns
     das fade Brot zeigt…“

 

Die beiden hängen ihren Gedanken nach. Plötzlich geht das Licht aus; B springt auf, holt Kerze, Töpfe und ein Zündholz und kommt damit zu A zurück; B zündet die Kerze an, stellt Kerze in den Topf und sagt:

 

B: „So, jetzt ist es wieder hell.“

A: „Was, hell? Stell die Kerze AUF den Topf, damit die Leute
     das Licht sehen und es für sie hell wird.“

B macht das; die beiden sitzen eine Weile da, dann fragt B:

B: „Soll ich den Topf mal darüber stellen und sehen, was
     passiert?“

Bevor A antworten kann, macht das B. Die Kerze geht aus.

B: „Das dachte ich mir! Die Kerze ist erloschen.“

A: „Na klar erlischt sie! Sie braucht Sauerstoff, um brennen
     zu können. Nicht nur Wachs und einen Docht!“

B: „Und, was machen wir jetzt? Ich habe kein Zündholz
     mehr…“

A: „Du hast nichts, um die Flamme zu entfachen? Keinen Funken, keine Energie, rein gar nichts?!“

B, kleinlaut: „Nein…“

A, fröhlich: „Macht nichts! Da steht ja die brennende Oster-
     kerze. Wieso sollten wir es aus eigener Kraft versuchen?
     Wir zünden unser Licht an dieser Flamme an!“

 

Predigt:

„Und Gott sah, dass es gut war“, heisst es in der Bibel über die verschiedenen Schöpfungstage. Gott schuf die Erde perfekt, nach seinem Plan. Er konnte die Welt ganz genau so erschaffen, wie sie ihm gefällt. Und zwar genau so, wie sie ihm gefällt. Ein Architekt, der einen Hausplan zeichnet, muss Verschiedenes berücksichtigen: In welcher Zone soll das Haus gebaut werden? Wie hoch darf er das Haus also bauen? Welche Materialien muss er einsetzen? Welche Farbe und welches Material darf die Fassade auf keinen Fall haben?...

     Gott aber musste sich alle diese Fragen nicht stellen. Er konnte erschaffen, wie er wollte. Er konnte seine Kreativität voll ausleben. Und er tat es!

     Er brauchte das ganze Farbenspektrum, um Blumen, Tiere, Früchte, Gemüse, Sonnenauf- und Sonnenuntergänge einzufärben. Er setzte alle geometrischen und freien Formen ein, um Pflanzen, Tiere und uns Menschen zu bilden. Er erfand Fell und Federn, Wolle und Ziegenhaar, rauhe Elefantenhaut und stachelige Igelborsten. Er schuf Insekten und Vögel, Säugetiere und Fische, Wassertiere und Waldtiere.

     Er setzte die verschiedensten Geschmacksrichtungen ein – von Süss bis Sauer, von Salzig bis Bitter… Ja, er erschuf für alle Lebewesen – auch für die Menschen – das passende Lebensmittel. Jeder sollte satt werden und sorglos das essen, was ihm guttut.

     Gott erschuf kleinste Insekten und Pflanzen – und er machte grosse Tiere und riesige Bäume. Er erschuf weiches Moos und harte Felsen, feinen Sand und wohlriechendes Holz.

     Er machte es sehr gut. Er schenkte uns Menschen eine sehr gute Erde, eine sehr gute Lebensgrundlage.

     Und mehr noch: er rüstete uns mit sich selbst aus. Er schuf Mann und Frau nach seinem Abbild. Das bedeutet, er legte etwas von sich selber in uns. Er gab uns seinen Geist, seinen Atem, damit wir leben können. Er gab uns die Fähigkeit, kreativ zu sein und schöne Dinge herzustellen.
     Und er gab uns Verantwortung für diese Welt. Er beauftragte uns, seine Schöpfung zu bewahren.

     Ist dies nicht wunderbar? Zum Staunen? Und feierlich?

     Der grosse Gott legte etwas von sich selber in uns Menschen. Er schenkte uns sein Leben. Er rüstete uns mit seinen „Genen“ aus. „Wie der Vater, so der Sohn...“ – Wie der Schöpfer, so das Geschöpf. Er gab uns seine Kreativität. Und in seiner vielfältigen Weise gab er jedem eine andere Gabe der Kreativität: Einige können schön singen oder gut musizieren, andere malen und zeichnen traumhafte Bilder, wieder andere schreiben berührende oder aufmunternde Texte, wieder andere stellen aus Holz, Stein, Ton oder anderen Materialen Skulpturen her, und wieder andere kochen fabelhafte Mahlzeiten.

     Und neben der Kreativität, die Gott uns Menschen gab, schenkte er uns noch viel mehr Gaben und Begabungen. Und er übertrug uns Verantwortung.

     „Sohn, du bist nun alt und erfahren genug – du darfst den nächsten Familienausflug planen. Wir machen das mit, was du für uns vorbereitest. Denk einfach daran, dass Grossmutter nicht mehr in den Kletterpark kann.“ Ich bin sicher, dass dieser Sohn eifrig einen für alle tauglichen Ausflug plant und die Familie voller Stolz zum Ziel führt. Ebenso, wie sich ein anderes Kind mit vollem Ernst und ganz seriös ans Tortenbacken macht, wenn die Mutter es beauftragt, den nächsten Geburtstagskuchen ganz alleine zu backen. Und das sind ja „nur“ zwei kleinere Aufträge, von den leiblichen Eltern aufgetragen. Mit wie viel mehr Stolz und auch Ehrfurcht sind wohl Adam und Eva erfüllt gewesen, als Gott – der Schöpfer von Himmel und Erde – sie beauftragte, für eben diese seine Schöpfung zu sorgen, sie zu pflegen und zu bewahren.

     Wie geht es Ihnen beim Gedanken an diesen grossen Auftrag, den Gott uns Menschen gab?

 

     Aber dann…

     … entschied sich der Mensch, sich nicht zu entscheiden. Sondern zu tun, was ihm angeboten wurde, ohne auf die innere Stimme zu hören. Kommt dazu, dass weder Eva noch Adam Verantwortung übernahmen für das, was sie gemacht hatten. Sie sagten nicht: „Ja, ich habe von der verbotenen Frucht gegessen“, sondern wiesen dem anderen die Schuld zu: „Die Frau, die du mir gegeben hast, reichte mir eine Frucht, da habe ich gegessen.“ – „Die Schlange ist schuld, sie hat mich dazu verführt.“

     Die Konsequenz tut weh: die Schöpfung wird zur Arbeit, zur Last. Es ist nicht mehr so, dass der Mensch einfach die Verantwortung für Gottes Schöpfung hat, sondern dass er sich regelrecht anstrengen muss. Es wird schwer, den Acker zu bebauen – mit jedem Tropfen Schweiss erinnert sich Adam an das, was war, aber nicht mehr möglich ist – das ungezwungene Leben in Gottes Gegenwart. Das sorglose Spazieren in Gottes Garten. Und auch Eva spürt die Konsequenzen am eigenen Leib, als sie Kain und Abel und ihre weiteren Kinder zur Welt bringt: Gebären geht nicht ohne Schmerzen.

     Und, wie schon angedeutet, die eingreifendste Konsequenz: Adam und Eva müssen den Garten verlassen. Den Ort, in dem sie Gott nahe waren. Den Ort, wo sie Gott auf dem Abendspaziergang begegnet sind.

     Die Schöpfung bekommt einen Riss. Es ist nicht mehr „sehr gut“, nicht mehr so, wie Gott es ursprünglich gemacht hat…

     Kennen Sie solche Risse in Ihrem Leben? Brüche, welche Ihr Leben verändert haben? Hat jemand Sie so verletzt, dass eine Trennung nötig wurde? Oder sind vielleicht Sie daran schuld – oder zumindest mitschuldig? Mussten Sie Verantwortung abgeben, den „Garten“ verlassen? Arbeiten und leben Sie als Konsequenz unter Schmerz und schweissgebadet und trauern dem ursprünglichen Zustand nach?

 

     Und jetzt? Wie geht es weiter? Ist die Menschheit, sind wir immer noch von Gottes Gegenwart ausgeschlossen? Gibt es kein Zurück?

     Doch. Es gibt ein Zurück. Jesus Christus kam, um den Weg zurück zu Gott für alle frei zu machen. Nicht nur für die Juden, denen Gott Gebote, Weisungen und Opferanweisungen gab. Und auch nicht nur für die Christen, die sich auf Jesu Lehre und Leben berufen. Denn Jesus sagt: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.“

     Ewiges Leben… ein Leben in Gottes Gegenwart. Paradiesischer Zustand: Eins zu eins mit Gott spazieren gehen, reden, lachen, leben. Das ist wieder möglich – denen, die Jesus glauben. Die seinen Stellvertretertod für sich annehmen. Die glauben, dass Jesus nicht tot blieb, sondern am dritten Tag auferstanden ist und jetzt lebt.

     Und was machen wir dann, wenn wir das glauben und für uns angenommen haben? Wenn wir „Ja“ gesagt haben zu Gott?

     Im letzten Lesungstext, im zweiten Theater, ging es darum, Salz und Licht zu sein. Hier und jetzt. In der Familie, im Dorf, im Quartier, an der Arbeitsstelle. Wir Christinnen und Christen haben den Auftrag, Salz und Licht zu sein.

     Wozu ist das Salz gut? Um Geschmack zu geben: Es braucht nur 20 Gramm Salz auf ein Kilo Mehl, um ein schmackhaftes Brot zu machen. Aber wenn das bisschen Salz fehlt, ist das Brot fad.

     Wenn wir Jesus-Gläubigen in unserem Dorf, in unserem Quartier, an unseren Arbeitsplatz, im Studium oder in der Schule fehlen, wird es fad.

     Salz braucht es auch, um zu konservieren. Sauerkraut, Essiggurken, jordanischer Weichkäse, Pökelfleisch, ... – all das wäre undenkbar ohne Salz.

     Wo sind wir unentbehrlich? Wir, die wir Jesus Christus nachfolgen? Tun wir das, wozu wir berufen sind? Sind wir das konservierende Salz?

     Leben wir in Gemeinschaft mit Gott, lassen wir uns von ihm führen und leiten? Oder machen wir unsere „guten Taten“ aus eigener Kraft?

     Nehmen wir unsere Verantwortung noch wahr, für Gottes Schöpfung zu sorgen?

     Befolgen wir Jesu Gebot, Gott zu lieben von ganzem Herzen, mit ganzem Willen, mit all unserer Kraft und mit unserem ganzen Verstand – und unseren Nächsten wie uns selbst?

     Geben wir dem Hungrigen zu essen, dem Durstigen zu trinken? Nehmen wir den Fremden auf, kleiden wir den Nackten, besuchen wir den Kranken und gehen wir zum Gefangenen?

     Der zweite Vergleich, den Jesus bringt, ist das Licht. Jesus sagt zu seinen Nachfolgern: „Ihr seid das Licht der Welt.“

     Ein Licht – auch wenn es noch so klein, ja, vielleicht nur ein Glühen ist – vertreibt die Dunkelheit. Ein Licht – auch wenn es noch so klein, ja, vielleicht nur ein Glühen ist – erhellt die Umgebung, weist den Weg, zeigt, wo man gehen soll.

     Stellt man dieses Licht auf eine Erhöhung oder hält es wie eine Fackel hoch, wird es für mehr Leute sichtbar, zeigt auch den entfernteren Leuten den Weg – wie ein Leuchtturm im Wasser.

     Ich will damit nicht sagen, dass wir uns auf den Sockel stellen sollen. Es geht ja am Ende nicht um uns. Aber ich will damit sagen, dass wir leuchten sollen. Dass wir den Weg weisen sollen. Dass wir das, was wir von Gott gelernt und mit ihm erlebt haben, nicht unter den Scheffel stellen sollen – sondern dass wir dieses Licht einsetzen, damit auch andere den Weg zu Gott finden. Dass auch andere Menschen umkehren können „ins Paradies“ – in die Gegenwart von Gott, in seine Gemeinschaft. Dass sie Abendspaziergänge mit ihm machen und zu einem versöhnten Leben mit ihm kommen.

     Amen.

 

 

 

 


Segen (mit Worten von Sedulius Caelius):

So segne dich der gütige Gott

Der Herr sei vor dir,
um dir den rechten Weg zu zeigen.
Der Herr sei neben dir,
um dich in die Arme zu schliessen
und dich zu schützen.
Der Herr sei hinter dir,
um dich zu bewahren
vor der Heimtücke böser Menschen.
Der Herr sei unter dir,
um dich aufzufangen, wenn du fällst,
und dich aus der Schlinge zu ziehen.
Der Herr sei in dir, um dich zu trösten,
wenn du traurig bist.
Der Herr sei um dich herum,
um dich zu verteidigen,
wenn andere über dich herfallen.
Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.
So segne dich der gütige Gott.           

      Amen.

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