Gottesdienst vom 11.10.2020 in Salmsach

von

Info und Kontakte

Gottesdienstleitung: Martina Brendler

Musik: Oliver Kopeinig

Mesmer: Edith Lengacher

Ablauf und Predigt als Text

Martina:

Liebe Gemeinde,

Wir streiten nie – das höre ich manchmal bei Geburtstags- oder sonstigen Besuchen, wenn Ehepaare anwesend sind. Wir haben nie Streit – sagt die eine und der andere nickt mit dem Kopf.

Ich nicke dann und sage nichts und warte ab …

Meistens kommt dann doch noch was und dann wird die Geschichte interessant. Wir streiten nie, aber …dann und dann als es um das neue Auto, oder um deine Mutter oder um das Haus ging, da hatten wir eine Meinungsverschiedenheit oder eine Diskussion.

Aha. Offensichtlich ist das Wort Streit negativ besetzt, man muss das so ein bisschen positiver formulieren. Eben unterschiedliche Meinung, das tönt eher so, dass man es handeln kann. Nicht so bedrohlich.

Konflikte haben anscheinend kein gutes Image. Streithähnen geht man lieber aus dem Weg.

Der Nachbar, der ständig an meiner Tür klingelt und sich beschwert, der will nur Streit anfangen.

Die Schwiegermutter, die früher alles besser gemacht hat, ist nicht beliebt und die Schwiegertochter, die heute alles anders machen will und niemals einen Rat annehmen würde, auch nicht.

Und trotzdem: Streit gehört dazu, zum Menschsein.

Dass gestritten wird und dass wir lernen müssen, Konflikte zu handeln, das weiss auch schon die Bibel und das wissen Kulturen, die noch älter sind, auch.                                                                                     

Ich habe mal einige Sprüche zum Thema zusammmengetragen.
die stammen aus dem Buch der Sprüche, aus dem AT.

 

Zettel verteilen und vorlesen lassen.

 

Ich habe mir vorher meinen Lieblingsspruch rausgesucht:

Sprüche 30, 33: schüttle die Milch und sie wird Butter, Schlage jemand auf die Nase und es fließt Blut, ärgre andere Leute und du bekommst Streit.

 

Das Buch der Sprüche bewertet Streit offenbar als nicht positiv. Besser, man meidet Streit und hält sich heraus.

Lesung: keinen Streit aufkommen lassen. Konflikt um Weideland, um Wasser, um Ressourcen. Es ist nicht genug für alle da: die Mitarbeiter haben auch schon mit dem Streit begonnen

Auf den ersten Blick: Abraham im Nachteil, nachher: in dem Gebiet, wo Lot sich dann aufhält, sind die Bewohner nicht im „grünen Bereich.“ Der Klügere gibt nach – obwohl er älter ist und ihm eigentlich das erste Wahlrecht zustünde. Und dann auch noch: wir streiten nicht. Wir sind doch Familienangehörige.

Streit vermeiden durch nachgeben, auch wenn man nicht muss. Das geht offensichtlich.

 

Im neuen Testament hören wir auch von Meinungsverschiedenheiten, von Diskussionen, vor allem mit den religiösen Würdenträgern seiner Zeit, denen die, die in der Schriften sich auskannten die Schriftauslegung Jesu widerlegten und zu einigen Punkten andere Meinungen hatten.

Immer wieder zitiert wurde auch eine andere Passage im Matthäusevangelium, in der Jesus von sich selbst redet und vom Reich Gottes:

 

Hansjürg:

Mtth. 10, 34 -39.

Denkt nicht, dass ich gekommen bin, Frieden in die Welt zu bringen. Nein, ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern Streit. Ich bin gekommen, um die Söhne mit ihren Vätern zu entzweien, die Töchter mit ihren Müttern und die Schwiegertöchter mit ihren Schwiegermüttern. Die nächsten Verwandten werden einander zu Feinden werden. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, zu mir zu gehören. Wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, zu mir zu gehören. Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir auf meinem Weg folgt, ist es nicht wert, zu mir zu gehören. Wer sein Leben festhalten will, wird es verlieren. Wer es aber um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.

 

Martina:

Das ist nun wirklich alles andere als konfliktscheu! Wahrscheinlich: Verfolgungssituation der ersten Gemeinden, als es darum ging, beim Glauben an Jesus zu bleiben, auch wenn es etwas kostet. Das ist eine Situation, in der wir uns überhaupt nicht befinden, die aber nach Jesu Tod und Auferstehung für die neu entstehende Gemeinde real war. Bleiben wir noch dabei, wenn wir uns für Jesus und gegen Mutter Vater, Tochter und Sohn entscheiden müssen?

Ist er das wert? Ist der Glaube mehr wert, als das eigene Leben?

Hier werden die Gläubigen ermutigt: wer auf diesem Weg bis zu Ende geht, wird bestätigt durch das ewige Leben.

Es ist also nicht gemeint, dass man Konflikte suchen soll und die Familie nerven darf, sondern dass man im Entscheidungsfall dem Glauben Vorrang vor den familiären Bindungen geben soll, ja sogar den Vorrang vor dem eigenen Leben.

Da wird die Latte sehr hoch gehängt und ich bin froh, dass wir diesen Konflikt nicht haben. Für viele Christen, die in Ländern leben, in denen es keine Glaubensfreiheit gibt, stellt sich dieser Konflikt aber täglich: traue ich mich, den Glauben an Jesus weiter zu leben, auch wenn ich Leib und Leben riskiere?

 

Es gab aber auch innerhalb der Jesusbewegung Streit über unterschiedliche Schriftauslegungen. Die Frage, welche der jüdischen Gebote zu übernehmen seien und welche man hinter sich lässt, war so ein Punkt.

Das spiegelt sich vor allem in der APG. Das wurde recht heftig stritten: Wer gehört zu uns und wer nicht, Beschneidung ja oder nein, darf man Fleisch essen, dass den römischen Göttern geweiht war oder nicht?

Es war wichtig, darüber zu streiten, um die eigene Identität zu finden. Wenn wir keine Juden mehr sein wollen, was sind wir dann? Wenn wir offen sind für alle Menschen, wie integrieren wir die dann? Was heisst Jesus nachfolgen? Darf da jeder mitmachen? Werden wir nicht total überfremdet, wenn wir jeden willkommen heissen, auch wenn er noch so anders ist?

An vielen Punkten musste das erstritten werden. Wir hören aus dem Korintherbrief, dass man der Gemeinde nahelegt, Konflikte möglichst nicht nach außen zu tragen, sondern intern, sozusagen bilateral zu regeln.

 

Hansjürg: 1. Korinther 6, 5-9a

Wenn jemand von euch mit einem Mitchristen Streit hat, wie kann er da vor ungläubige Richter gehen, anstatt die Gemeinde entscheiden zu lassen? Ihr wisst doch, dass die Gemeinde Gottes einst die Welt richten wird. Und da seid ihr nicht fähig, Bagatellfälle zu entscheiden? Wisst ihr nicht, dass wir sogar über Engel zu Gericht sitzen werden? Dann werden wir doch auch Alltagsstreitigkeiten beurteilen können! Und ihr lasst solche Fälle von Außenstehenden entscheiden, die in der Gemeinde nichts zu sagen haben! Ich sage dies, damit ihr euch schämt. Hat denn unter euch niemand so viel Verstand und kann einen Streit unter Brüdern und Schwestern schlichten?

 

Martina:

Hier wiederspielgelt sich ganz klar, dass es Konflikte gab und dass man darum gerungen hat, sie zu lösen. Einer der bekanntesten Konflikte ist ja der, ob Frauen ihren Kopf bedecken sollen beim Beten oder nicht und wie überhaupt der Umgang mit den Geschlechtern zu regeln ist.

 

Welcher Umgang mit Konflikten wird denn nun im NT und AT angeboten?

Bei Abraham und Lot gibt der eine schon mal im Voraus nach. Der Konflikt um die Ressourcen ist beigelegt – jedenfalls für den Moment. Abram und Lot gehen einfach getrennte Wege. Auch damit kann man Konflikte lösen. Sie sind dann zwar immer noch da, im Moment aber durch die Trennung befriedet.

Dass man nachgibt, auch wenn man das Recht hätte sich durchzusetzen, ist in der Tat eine Konfliktlösungsstrategie.

Das wird dann noch fortgesetzt in dem Gedanken, dass man überhaupt nicht auf seinem Recht beharren soll, sondern jemandem, mit dem man in Konflikt ist, auch noch Gutes tun soll. Segnet, die euch fluchen und tut wohl denen, die euch hassen.

Das ist schon wirklich ein Konfliktlösungsmodell für Fortgeschrittene. Ich glaube, dass sich das nicht immer umsetzen lässt.

 

Es gibt in der Bibel noch andere Varianten, von denen mir einige sehr gut geeignet scheinen, um Konflikte beizulegen.

Einen unabhängigen Streitschlichter zu suchen z.B., der beide Parteien versteht und dazu führen kann, den Streit friedlich beizulegen. Der es schafft, mit den beiden Konfliktparteien einen Weg zu suchen, der zu einem Perspektivenwechsel führt.

Perspektivenwechsel meint den Moment, wenn die beiden sturen Esel merken, ups, der andere liegt vielleicht gar nicht so ganz falsch. Es könnte noch eine ganz andere Lösung geben. Das ist kein Kompromiss, sondern das ist der Moment, in dem ich merke, ich bekomme das, was ich brauche, ohne dass ich dem anderen etwas wegnehmen muss.

In der Konfliktliteratur wird hier immer das Beispiel einer Orange bemüht:

Erzählen: einer bekommt die Schale für den Kuchen, der andere das Fruchtfleisch für den Saft.

 

Biblisch gesehen fällt mir dazu Salomo ein, der die beiden Frauen aus dem Konflikt führt ohne dass das Kind, um das sie sich streiten, zu Schaden kommt.

 

Hansjürg:

1.  Könige 3, 26-28

„Da rief die Frau, der das lebende Kind gehörte – denn die Mutterliebe regte sich mächtig in ihr: »Ach, mein Herr und König! Gebt es der andern, aber lasst es leben! « Die andere aber sagte: »Weder dir noch mir soll es gehören! Zerschneidet es nur! « 27 Darauf entschied der König: »Gebt das Kind der ersten, tötet es nicht! Sie ist die Mutter. « 28 Überall in Israel erfuhr man von diesem Urteil des Königs und alle schauten in Ehrfurcht zu ihm auf. Sie sahen, dass Gott ihm Weisheit geschenkt hatte, sodass er gerechte Entscheidungen fällen konnte.“

Martina:

Konfliktlösung kommt hier eigentlich von Gott, der derjenige ist, der Salomo Weisheit gibt. Für die Bibel ist klar, dass Menschen alleine es nicht schaffen, ihre Konflikte friedlich zu lösen. Lamm und Wolf nebeneinander, also eine konfliktfreie ist ganz klar eine Vision, also etwas, was noch nicht real ist. Auch das Reich Gottes, von dem Jesus spricht, ist ja noch nicht vollendet. Bis es so weit ist, brauchen wir also noch ein paar Konfliktlösungsstrategien für den Alltag.

Die Idee mit der Orange, die geteilt wird und jeder bekommt, was er wirklich braucht, finde ich gut.

Die Idee, ein Schwert hervorzuholen und dadurch die Wahrheit ans Licht zu befördern finde ich auch gut, leider ist mein Schwert gerade in Reparatur.

Die Idee, Konflikte völlig passiv zu erdulden und mich nie zu wehren, werde ich nicht hinbekommen, weil ich dafür einfach zu ungeduldig bin und das meinem gerechtigkeitsempfinden widerspricht.

Was ich auch toll finde, ist Gott zu fragen, was er denn an Lösungsmöglichkeiten bietet. Ich habe dann noch eine Geschichte gefunden, in dem Gott direkt einen Konflikt löst, mittels eines Tischtuches, das vom Himmel herab schwebt. Diese Vision des Petrus beendet den Konflikt um rein und unrein,  darum, was man essen darf und was nicht auf direkte befreiende und einfache Weise. Wir hören aus der Apostelgeschichte:

 

Hansjürg:

Am nächsten Tag begab sich Petrus um die Mittagszeit auf das flache Dach des Hauses, um zu beten. 10 Da bekam er Hunger und wollte essen. Während das Essen zubereitet wurde, hatte er eine Vision. 11 Er sah den Himmel geöffnet und es kam daraus etwas auf die Erde herab, das sah aus wie ein großes Tuch, das an vier Ecken gehalten wird. 12 Darin befanden sich alle Arten von vierfüßigen Tieren, Kriechtieren und Vögeln. 13 Eine Stimme rief: »Auf, Petrus, schlachte und iss! « 14 Aber Petrus antwortete: »Auf keinen Fall, Herr! Noch nie habe ich etwas Verbotenes oder Unreines gegessen. « 15 Doch die Stimme forderte ihn ein zweites Mal auf und sagte: »Was Gott für rein erklärt hat, das erkläre du nicht für unrein! « 16 Und noch ein drittes Mal erging an Petrus dieselbe Aufforderung. Gleich danach wurde das Tuch samt Inhalt wieder in den Himmel hinaufgehoben.

 

Martina:

Manchmal ist es einfacher, Konflikte zu lösen, als wir denken. Gerade, wenn Gott mit im Spiel ist.

Möge das auch bei uns so sein.

Amen.

 

 

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