Gottesdienst vom 15.05.2022 in Romanshorn

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Audio Predigt

Info und Kontakte

Gottesdienstleitung: Martina Brendler

Musik: Daniel Engeli

Mesmerdienst: Edith Lengacher

Predigt als Text

Thema: nach innen beten - nach aussen strahlen

Liebe Gemeinde,

„Nach innen beten, nach aussen strahlen“ das hat eine Frau gesagt, die angetreten ist, um die evangelischen Kirche in der Schweiz zu leiten. Ich meine Frau Rita Famos, und die EKS, die evangelischen Kirche der Schweiz, das ist sozusagen unser Verband, noch über der Landeskirche, sozusagen das Gesicht alles evangelischen im internationalen Bereich.

Kirche hat Struktur, das braucht es auch, es agiert nicht jedes Dorf als Kirchgemeinde vor sich hin, sondern wir sind organisiert, wir haben uns zusammengeschlossen.

 

Rita Famos hat diesen Satz gesagt, als Motto für ihren Amtsantritt.

Ich habe das so noch nie gehört bzw. noch nie so zusammen gedacht – nach innen beten und nach aussen strahlen, also Ausstrahlung e haben. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto richtiger tönt es für mich. Das eine hängt mit dem anderen zusammen: wenn ich mich nicht nach innen fokussiere, kann ich auch nicht nach aussen agieren.

Dieses Motto schein mir nicht nur für einen Amtsantritt unter schwierigen Bedingungen tauglich, sondern für uns alle. Es ist ein Leitsatz, den auch wir beherzigen können.

 

Warum nur nach innen beten, werden nun mache fragen? Müssen wir nicht laut beten, damit Gebete wirksamer sind? Uns müssen das nicht alle hören und wissen, dass wir Christen beten?

Bei den Muslimen kriegt das ja auch jeder mit, es wird unüberhörbar laut zum Gebet gerufen und dann das Gebet mit bestimmten äußerlichen Gesten zelebriert. Ob ein Lautes Gebet mehr wirkt als ein Leises, das hat mich wirklich mal eine Taufmutter gefragt. Das war in meiner ersten Kirchgemeinde und dort gab es unterschiedliche Gruppierungen, die sich in Hauskreisen trafen und die behaupteten, ein lautes Gebet sei mehr wert als ein leises und man könne sogar gute Gläubige daran erkennen, dass sie laut beten würden.

Ich war nicht dieser Meinung, weil ich Gott zutraue, dass er auch leise Gebete hört, und habe das auch so gesagt. Mein Gegenüber war aber nicht davon überzeugt, hat ihr Kind dann aber trotzdem bei uns taufen lassen.

 

Natürlich kennen wir beides. Wir kennen Anbetung und Lobpreis, wir kennen Klagegebete, wie jenes aus dem Psalm 134 von David, der aus der Not heraus zu Gott ruft,

wir kennen Dankgebet und Fürbitten. Und ich denke, ob sie jetzt laut oder leise gesprochen werden, Gott hört beides.

Biblisch gesehen werden uns immer wieder Gebete überliefert, auch ausserhalb des Psalters, der ja schon für sich ein ganzes Lieder- und Gebetbuch ist. Zu dem Thema „nach innen beten“ ist mit ein biblischer Text aufgefallen, in dem Jesus uns direkt auffordert, nach innen zu beten.

Matthäus 6, 5-13

 

Wenn ihr betet, dann tut es nicht wie die Scheinheiligen! Sie beten gern öffentlich in den Synagogen und an den Straßenecken, damit sie von allen gesehen werden. Ich versichere euch: Sie haben ihren Lohn schon kassiert. 6 Wenn du beten willst, dann geh in dein Zimmer, schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen. 7 Wenn ihr betet, dann leiert nicht Gebetsworte herunter wie die Heiden. Sie meinen, sie könnten bei Gott etwas erreichen, wenn sie viele Worte machen. 8 Ihr sollt es anders halten. Euer Vater weiß, was ihr braucht, bevor ihr ihn bittet. 9 So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel! Mach deinen Namen groß in der Welt. 10 Komm und richte deine Herrschaft auf. Verschaff deinem Willen Geltung, auf der Erde genauso wie im Himmel. 11 Gib uns, was wir heute zum Leben brauchen. 12 Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir allen vergeben haben, die an uns schuldig geworden sind. 13 Lass uns nicht in die Gefahr kommen, dir untreu zu werden, sondern rette uns aus der Gewalt des Bösen. 14 Wenn ihr den andern vergebt, was sie euch angetan haben, dann wird euer Vater im Himmel euch auch vergeben.

 

Also Diskretion beim Gebet? Durchaus. Nicht wer am lautesten brüllt, bekommt von Gott was er will. Auch leise Stimmen werden gehört. Gerade wer sich nicht in de Vordergrund spielt mit seinen Anliegen, hat eine Chance, von Gott gehört zu werden, Wenn schon nicht in dem lauten Stimmengewirr des religiösen Marktes. „Dein Vater, der das Verborgene sieht, wird dich hören“ Wir dürfen zu Gott beten wie zu jemandem, der uns vertraut ist. Wir müssen nicht ein Grosses Geschrei machen, um gehört zu werden. in der Lutherübersetzung steht, ihr sollt nicht „plappern“ wie die Heiden, das gefällt mir auch sehr gut.

 

Offensichtlich war eine laute, geräuschvolle Gebetspraxis gar nicht so unüblich, Offensichtlich gab es auch schon in den ersten Gemeinden Taufmütter und andere, die meinten, nur ein lautes Gebet zählt oder wer am lautesten ruft kommt zuerst dran. Auch Paulus äussert sich ja recht eindeutig gegen eine zu auffällige Art zu beten und nützt dabei die Gelegenheit zu einem Rundumschlag in Sachen Gebets Ordnung. Das kann man im 1. Korinther Brief, Kapitel 11 nachlesen.

 

Nach innen beten und nach aussen strahlen: dieses Überschrift hat die Kirchenratspräsidentin gewählt.

Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz ist die Kirchengemeinschaft aller kantonalen Mitgliedkirchen sowie der Evangelisch-methodistischen Kirche.  Die Präsidentin versucht, bewusst auf die Mitglieder zu hören und will erfahren, was sie beschäftigt und wo Entwicklungspotenziale liegen. Sie ist jetzt gut ein Jahr im Amt. In ihrem Antrittsinterview hat sie gesagt, dieser Satz bedeute für sie, Gegensätze auszuhalten, aber auch zu überbrücken. Das sei typisch reformiert, dass um alles gerungen und diskutiert würde.

 

In einem Statement zur Momentanen Lage der Flüchtlinge aus dem Ukrainekrieg hat sie dann eine ernste Miene aufgesetzt. Da gibt es ja auch nicht so viel Grund zum Strahlen. Auch andere Anliegen innerhalb der EKS liessen sich nicht „wegstrahlen“ und auch nicht „wegbeten“ – Ihr Vorgänger im Amt, Gottfried Locher, stand sehr in der öffentlichen Kritik und hat mittlerweile der Kirche den Rücken gekehrt.

Wahrscheinlich ist es auf höheren Ebenen der Kirche nicht anders als auf der Ebene der Basisgemeinde: es muss um alles gerungen werden, und es gibt Verletzungen und Mißverständnisse. Das erleben wir ja auch immer wieder. Auch hier in dieser Kirchgemeinde haben wir schon viel diskutiert und sind immer noch dabei, das gehört dazu. Auch um unser neues Projekt, nämlich den Umbau des Pfarrhauses in Salmsach. Das Seelsorgeteam ist hier übrigens mit der Kirchenvorsteherschaft einer Meinung und befürwortet den Vorschlag, der heute zur Abstimmung steht. Aber ich weiss, dass die Diskussionen und die damit verbundenen langen Sitzungen manchem zu viel werden. Das verstehe ich gut. Mir geht es nämlich manchmal genauso. Und ich habe auch nicht Lust, permanent zu strahlen.

Das ist ja auch nicht gemeint. Sondern es geht um die Wechselwirkung zwischen Verankerung mit Gott und dem Handeln nach aussen, das daraus erwächst. Wenn ich mich im Gebet verbinde mit Jesus, erwächst mir daraus Kraft zum Leben und Handeln.

Und wir können uns darauf verlassen, dass Gott unsere Gebete hört, eben weil ihm nichts verborgen bleibt. Nach innen beten kann auch ein Stossgebet sein oder einfach eine kurze Zeit der Stille oder ein tiefer Atemzug. Oder: das unser Vater, das wir in jedem Gottesdienst beten.

Amen.

 

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Thurgauische Evangelische Frauenhilfe TEF

Die Thurgauische Evangelische Frauenhilfe berät, unterstützt, sensibilisiert und fördert Frauen auf verschiedenen Gebieten im kirchlichen und öffentlichen Leben. Sie bietet Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen (Partnerschaftsproblemen in der Familie, Fragen zu Trennung und Scheidung, Beratung von Alleinstehenden und/oder Alleinerziehenden, finanzielle Notlagen, einfache Rechtsauskünfte, Weitervermittlung an andere Fachstellen) Frauen und deren Familien aus dem ganzen Kanton Thurgau, unabhängig von Konfession und Nationalität, können sich bei der professionell geführten Beratungsstelle melden. Die Beratungen sind unentgeltlich. Die tef betreibt in Romanshorn die „Wohnen auf Zeit“-Wohnung: Personen, die vorübergehend eine Wohnmöglichkeit brauchen, können hier zu einem moderaten Zins vorübergehend eine möblierte 2-Zimmerwohnung mieten. Wir freuen uns, dass es dieses wichtige Angebot in Romanshorn gibt und möchten dies mit unseren Gaben unterstützen.

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