Gottesdienst vom 20.03.2022 in Romanshorn

von

Audio Predigt

Info und Kontakte

Gottesdienstleitung: Meret Engel

Musik: Bruno Sauder

Mesmerdienst: David Züllig

Predigt als Text

Thema: Verantwortung

 

Predigttext: Josua 1, 6-9

Gott spricht zu Josua: Sei mutig und stark, denn du sollst diesem Volk das Land, das ihnen zu geben ich ihren Vorfahren geschworen habe, als Erbbesitz verteilen. Sei nur mutig und sehr stark, und halte die ganze Weisung, die Mose, mein Diener, dir gegeben hat, und handle danach. Du sollst nicht davon abweichen, weder nach rechts noch nach links, damit du Erfolg hast auf allen deinen Wegen. Dieses Buch der Weisung soll nicht von deinen Lippen weichen, und du sollst sinnen über ihm Tag und Nacht, damit du alles hältst, was darin geschrieben steht, und danach handelst, denn dann wirst du zum Ziel gelangen auf deinem Weg, und dann wirst du Erfolg haben. Habe ich dich nicht geheissen, mutig und stark zu sein? Hab keine Angst und fürchte dich nicht, denn der HERR, dein Gott, ist mit dir auf allen deinen Wegen.

 


Predigt

Liebe Gemeinde

Endlich ist er da, der grosse Tag. Das ganze Volk, Männer, Frauen und Kinder, stehen vor dem Jordan. 40 Jahre waren sie in der Wüste, in dieser unwirtlichen, einsamen, kargen Gegend. 40 Jahre lang haben sie auf diesen Moment gewartet. Nun aber ist es so weit. Es ist nur noch dieser Fluss, der sie vor dem lang ersehnten Ziel trennt. Blickt man hinüber, auf das andere Ufer, kann man bereits erahnen, wie sich das Land dahinter dem Horizont entgegen streckt. Keine Wüste, sondern fruchtbares Land. Es ist eine flirrende Stimmung, in der Erleichterung und Aufregung zugleich zu spüren ist. Werden sie es schaffen, über diesen breiten Fluss zu kommen? Und was wird sie auf der anderen Seite erwarten?

Diese Fragen wird sich auch Josua gestellt haben. Aber im Gegensatz zu den anderen fühlt er auch eine grosse Last auf seinen Schultern. Erst vor kurzem ist Moses gestorben, der Prophet, der das Volk all die Jahre geleitet und begleitet hat. Josua stand nie an vorderster Front, sondern konnte sich stets darauf verlassen, dass Moses hinstehen würde, wenn es hart auf hart käme. Aber jetzt ist Moses nicht mehr da. Die ganze Verantwortung liegt nun auf Josua. Kann er die Erwartungen erfüllen – diejenigen von Gott, diejenigen von den Menschen und seine eigenen?

Diese oder ähnliche Gedanken, so stelle ich mir vor, werden Josua durch den Kopf gegangen sein. Die Geschichte erzählt nicht viel darüber, was Josua in dem Moment empfunden hat. Interessant ist aber, dass er, im Gegensatz zu anderen Propheten wie Jeremia, Jona und Moses, die Verantwortung, die Gott ihm gibt, annimmt. Man hört von ihm keine Ausreden, die andere gebracht haben: sie seien noch zu jung, zu unerfahren oder Gott möge doch gleich einen anderen suchen.  Und doch gibt es Stellen, die darauf hinweisen, dass Josua Respekt vor seiner Aufgabe hat. Denn dreimal sagt Gott in den ersten 10 Versen zu Josua: „Sei mutig und sei stark!“

 

Sei mutig und sei stark! Diese Worte werden wir auch schon gehört haben. Sei es, weil jemand uns in einer heraufordernden Situation stärken wollte, sei es, weil wir uns diese Worte in einer Situation der Verunsicherung selber zugesprochen haben oder weil auch wir diese Worte von Gott in unserem Herzen gehört haben, in einer bestimmten Situation einfach gespürt haben, dass jetzt nicht die Stunde ist, sich davon zu machen, sondern dass es darum geht, eine Verantwortung wahrzunehmen.

Um Verantwortung geht es auch in dieser Geschichte mit Josua. Und so lade ich Sie ein, darüber nachzudenken, was Verantwortung für uns Christen und Christinnen bedeutet. Verantwortung hat besonders im protestantischen Glauben einen hohen Stellenwert, weil jeder Mensch sich direkt vor Gott verantworten muss. Das kann sowohl ent- als auch belastend sein; sie kann sowohl Last als auch Freude mit sich bringen.

Sie kann eine Bereicherung sein: Wer Verantwortung übernimmt, wird freier, weil er Entscheidungen selber fällt, sich nicht so schnell beeinflussen oder einschüchtern lässt von der Meinung anderer und sein Leben selber in die Hand nimmt. Wer Verantwortung in der Gesellschaft übernimmt, sich in öffentliche Debatten einmischt oder ein Amt übernimmt, kann mitreden und mitgestalten. In der Verantwortung wird einem etwas zugetraut: Die Verantwortung für ein Kind, für eine Gemeinde oder für ein bestimmtes Projekt.

Verantwortung kann aber auch anspruchsvoll sein. Denn wer Verantwortung übernimmt, steht hin – und macht sich damit angreifbar. Er muss darum auch bereit sein, auszuhalten: eine Spannung, eine Unsicherheit oder Widerstand. Er muss entscheiden können, wohin der Weg in die Zukunft gehen soll – von der aber niemand weiss, was sie bringen wird.

 

Und nicht immer aber haben wir eine Verantwortung gesucht. Nicht immer sind wir es, die das Leben gestalten – manchmal ist es auch umgekehrt. Das Leben kann auch uns gestalten in dem Sinne, dass wir antworten, reagieren müssen auf das, was im Leben an uns herangetragen wird. Viktor Frankl, ein jüdischer Psychiater, hat einmal geschrieben, dass es das Leben sei, das Fragen an uns richte – nicht andersrum. Dieser Gedanke steht etwas quer zur heutigen Ansicht, dass man sich das Leben so einrichten soll und kann, wie es einem gefällt, denn schliesslich sei man ja autonom und könne selber über das Leben bestimmen.

Aber so einfach ist es nicht. Es gibt im Leben Verantwortungen, die wir nicht gesucht haben. Konflikte zum Beispiel, die nicht dadurch gelöst werden, dass man sie verdrängt. Beziehungen, die sich verändern und denen man sich stellen muss, wenn man in lebendigen, nicht in festgefahrenen Beziehungen leben möchte. Ein Unfall oder eine Krankheit, mit denen wir einen Umgang finden müssen.

Es gibt auch Verantwortungen in der Welt, denen wir uns nicht entziehen können, weil sie über kurz oder lang auch unser Leben berühren: Der Krieg in der Ukraine. Die Klimakrise, die uns durch Dürren, Waldbrände oder Fluten vor grosse Herausforderungen stellt. Bei beiden grossen Problemen geht es auch um den Verbrauch von Erdöl und damit um unseren ganz konkreten Alltag.

Ich bin der Überzeugung, dass es wichtig ist, auch global gesehen Verantwortung zu übernehmen, denn unsere Art zu leben hat Einfluss auf andere: ökonomisch, ökologisch und, wie wir im Moment erkennen müssen, auch politisch. Die Frage ist letztlich, wie viel Wert uns billiges Öl ist in Bezug auf unsere Umwelt und auf Errungenschaften wie Freiheit und Demokratie.

Aber Verantwortung übernehmen kann anstrengend sein. Man muss sich mit etwas auseinandersetzen, vielleicht auch sein Leben ändern. Da mag die Versuchung gross sein, auszuweichen und den Kopf in den Sand zu stecken. Man will nichts mehr wissen von all diesen Herausforderungen; hat vielleicht Angst vor Konsequenzen, denkt, man wolle seine Energien anderweitig einsetzen, hat keine Lust, die Komfortzone zu verlassen oder denkt, die Probleme lösten sich dann schon von selber.

Aber wer sich auf Dauer der Verantwortung entzieht, dessen Leben wird immer kleiner. Weil Möglichkeiten verschwinden. Man sich der eigenen Entwicklung im Weg steht. Man immer neue Wege suchen muss, um der Verantwortung zu entgehen und man, etwas salopp gesagt, sich durchwurstelt.

Was aber kann helfen, sich dem Leben zu stellen und Verantwortung zu übernehmen? Ich möchte mit dieser Frage noch einmal auf Josua zurückkommen. Denn Gott übergibt auch Josua eine Verantwortung. Er nimmt ihm nicht einfach alles ab – das ist manchmal eine Versuchung im Glauben, zu meinen, dass Gott die Probleme schon für uns löst.

Aber so einfach ist es nicht: Gott nimmt den Menschen in die Verantwortung, angefangen bei der Schöpfung, die Gott den Menschen anvertraut, über die Berufungsgeschichte wie bei Josua bis hin zu Jesus, der Menschen auffordert, konkret zu handeln und sich um andere zu kümmern.

Gott übergibt den Menschen eine Verantwortung. Aber er lässt sie damit nicht alleine. Es gibt später im Buch Josua diese wundersame Stelle, die erzählt, wie das Volk den Jordan überquert: Wie damals, im Roten Meer, hört das Wasser einfach auf zu fliessen. Der Fluss steht still und das Volk kann trockenen Fusses den Fluss durchqueren.


Herausforderungen, für die wir Verantwortung übernehmen müssen, können auch in unserem Leben wie grosse Flüsse sein, die wir zu überqueren haben. Der Glaube aber kann eine Kraftquelle sein, die hilft, sich überhaupt auf den Weg zu machen und eine Herausforderung anzunehmen. Weil die Hoffnung und das Vertrauen da sind, dass Gott uns auf unseren Wegen begleitet und uns auch einmal vorausgeht.

Diese Zuversicht ist wichtig, weil sie uns den Weg in die Zukunft ebnen kann. Denn nur, wer hofft, daran glaubt, dass etwas gelingen kann, kann sich guten Mutes auf den Weg machen. Er macht einen Schritt ins Unbekannte, bleibt nicht stehen, sondern stellt sich dem Leben.

Und so möchte ich zum Schluss noch einen Satz aus dem Josuabuch vorlesen. Möge er uns alle begleiten auf unseren Wegen, die wir gehen und zu gehen haben: „Habe ich dich nicht geheissen, mutig und stark zu sein? Hab keine Angst und fürchte dich nicht, denn der HERR, dein Gott, ist mit dir auf allen deinen Wegen“.

Amen.

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Kollekte

Ökum. Projekt in der DR Kongo

Demokratische Republik Kongo: Genug zu essen und verantwortungsvoller Rohstoffabbau

Die Demokratische Republik Kongo ist reich an natürlichen Ressourcen. Trotzdem lebt über die Hälfte der Bevölkerung in extremer Armut.

Nach der Wahl des neuen Präsidenten Ende 2018 blieb das politische Umfeld fragil. Durch erneutes Aufflammen von Gewalt im östlichen Teil steckt das Land mitten in einer langwierigen und komplexen humanitären Krise. Der Abbau von Gold, Diamanten, Kupfer, Kobalt und anderen Rohstoffen verspricht Reichtum. Doch die Bevölkerung profitiert kaum davon. Umweltgesetze werden nicht eingehalten, verschmutzte Gewässer gefährden die Gesundheit aller, Gewinne werden ins Ausland verschoben. Die verbreitete Korruption trägt zur Instabilität des Landes bei. Wie stark die Armut verbreitet ist, zeigt sich daran, dass vier von zehn Kindern unter fünf Jahren chronisch mangelernährt sind.

Dank Fastenopfer und bfa lernen die Familien verbesserte Anbautechniken kennen. Mit organischer Düngung und einer sinnvollen Fruchtfolge wird die Bodenfruchtbarkeit erhalten und die Produktion erhöht. Mit der Einführung von verbessertem Getreide- und Gemüsesaatgut und dank selbst angelegten Fischteichen erreichen die Familien eine ausgewogenere Ernährung. Spargruppen tragen dazu bei, dass die Mitglieder ihre Gesundheitskosten und Schulgelder bezahlen können. Kompetente Partnerorganisationen fordern zudem Menschenrechte und eine gute Regierungsführung. Regionalstellen einer Bischofskommission engagieren sich mit weiteren, von uns unterstützten Organisationen für einen verantwortungsbewussten Abbau von Rohstoffen. Sie machen Missstände publik und stellen konkrete Forderungen an Behörden und Unternehmen.

Was wir mit Ihrer Hilfe erreichen wollen:

    7’500 Personen verfügen über genügend reichhaltige Nahrungsmittel.

    620 Dorfgruppen verfügen über eine Solidaritätskasse, ihre Mitglieder können sich für Schul- und Gesundheitskosten gegenseitig aushelfen.

    In 2800 Haushalten verwalten Männer und Frauen gemeinsam das Haushaltseinkommen.

 

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