Mittwoch-Impuls vom 25.03.2020

von

Info und Kontakte

Impuls: Sarah Fakhoury

Musik: Bruno Sauder

Technik und Schnitt: Edith Lengacher

Ablauf und Predigt als Text

Mittwoch-Impuls vom 24. März 2020
aus der Kirche von Romanshorn

 

Wenn der Lolch den Weizen bedroht…

Mittwochs-Impuls zu Matthäus 13, 24-30 und 36-42

 

Jesus Christus spricht seinen Jüngern zu: „Und das sollt ihr wissen: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.“ (aus Matthäus 28, 20)

 

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
Liebe Leserinnen und Leser

 

Wir hörten die Refrain-Melodie des Liedes „Lobe den Herrn, meine Seele“. Es ist die Nummer 39 im Rückenwind.

     Lobe den Herrn, meine Seele? Jetzt? In dieser Situation? Ja, wir befinden uns in einer turbulenten Zeit. In einem Ausnahmezustand. Nichts ist mehr so, wie es normalerweise ist. Das Leben steht fast still. Auch die Kirche ist davon betroffen. Unsere Gottesdienste und anderen Veranstaltungen finden nicht mehr statt.

     Dafür entwickeln sich neue Ideen. Dieser Mittwochsimpuls ist so eine Neukreation. Wir haben ihn lanciert, um Ihnen inmitten der Turbulenzen eine Verschnaufpause zu  ermöglichen.

     Und etwas ist auch mitten in dieser Zeit noch wahr: Jesu Zusage an seine Nachfolgerinnen und Nachfolger: Er ist bei uns. Trotz allem. Darum ja: „Lobe den Herrn, meine Seele.“

     Lasst uns beten.

 

Lieber Gott,

ich danke dir, dass deine Zusage wahr ist: Du bist immer bei uns, jeden Tag, bis zum Ende der Welt. So bist du auch in dieser vom Coronavirus geprägten Zeit bei uns. Und auch wenn wir als Gemeinde nicht mehr zum Gottesdienst zusammenkommen dürfen, so können wir mit dir trotzdem immer noch Gemeinschaft haben. Begegne du uns heute. Hilf uns, dir unsere Sorgen abzugeben. Stärke uns für diesen Tag.

Amen.

 

Wir hören nun die Melodie des Liedes „Der Herr, mein Hirte, führet mich“. Es ist die Nummer 18 im reformierten Kirchengesangbuch.


Wenn der Lolch den Weizen bedroht…

Jesus redet häufig in Bildern, wenn er zu einer Menschenmenge spricht. So auch hier in Matthäus 13:

24 Dann erzählte Jesus der Volksmenge ein anderes Gleichnis: »Mit der neuen Welt Gottes ist es wie mit dem Mann, der guten Samen auf seinen Acker gesät hatte: 25 Eines Nachts, als alles schlief, kam sein Feind, säte Unkraut zwischen den Weizen und verschwand. 26 Als nun der Weizen wuchs und Ähren ansetzte, schoss auch das Unkraut auf. 27 Da kamen die Arbeiter zum Gutsherrn und fragten: ›Herr, du hast doch guten Samen auf deinen Acker gesät, woher kommt das ganze Unkraut?‹ 28 Der Gutsherr antwortete ihnen: ›Das hat einer getan, der mir schaden will.‹ Die Arbeiter fragten: ›Sollen wir hingehen und das Unkraut ausreissen?‹ 29 ›Nein‹, sagte der Gutsherr, ›wenn ihr es ausreisst, könntet ihr zugleich den Weizen mit ausreissen. 30 Lasst beides wachsen bis zur Ernte! Wenn es so weit ist, will ich den Erntearbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut ein und bündelt es, damit es verbrannt wird. Aber den Weizen schafft in meine Scheune.‹

Matthäus 13, 14-30 (www.bibelserver.com)

Nach dieser Geschichte folgen gleich nochmals zwei Gleichnisse. Dann entlässt Jesus seine Zuhörerinnen und Zuhörer. Die Jünger aber bleiben zurück und bitten Jesus: „Deute uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker.“

     Jesus geht auf diesen Wunsch ein und sagt:

37 [ …] »Der Mann, der den guten Samen aussät, ist der Menschensohn, 38 und der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Menschen, die sich der Herrschaft Gottes unterstellen. Das Unkraut sind die Menschen, die dem Bösen folgen. 39 Der Feind, der das Unkraut gesät hat, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt und die Erntearbeiter sind die Engel. 40 Wie das Unkraut eingesammelt und verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt zugehen: 41 Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Herrschaftsgebiet alle einsammeln, die Gott ungehorsam waren und andere zum Ungehorsam verleitet haben. 42 Sie werden sie in den glühenden Ofen werfen; dort gibt es nur noch Jammern und Zähneknirschen. 43 Dann werden alle, die Gott gehorcht haben, in der neuen Welt Gottes, ihres Vaters, so hell strahlen wie die Sonne. Wer Ohren hat, soll gut zuhören!«                              Matthäus 13, 37-43 (www.bibelserver.com)

In der Bibel steht nicht, ob die Jünger anschliessend alles verstanden oder ob sie noch weitere Fragen hatten. Vielleicht machten sie sich Gedanken über die Deutung und überlegten, was das für ihr Leben heissen könnte. So, wie ich mich auch fragte: Was hat das mit mir – mit uns – zu tun? Dazu kamen mir folgende Gedanken:

 

     Erstens: Was für eine Ehre, dass wir, die wir Jesus Christus nachfolgen, als „guter Samen“ bezeichnet werden.
     Was macht man mit guten Samen? Man bewahrt sie sorgfältig auf, damit sie weder vertrocknen noch verfaulen, und setzt sie zu gegebener Zeit in die Erde. Dort wässert, düngt und pflegt man sie. Man stellt den spriessenden Trieben Stecklein zur Seite, die sie stützen, bis die Pflanzen selber gross und stark sind und alleine stehen. Je nachdem, um welche Pflanze es sich handelt, wird sie weiter bearbeitet: Blätter und einzelne Früchte werden ausgebrochen, Äste werden zurückgestutzt, Triebe werden veredelt.
     Im Gleichnis werden die guten Weizenkörner im Acker verteilt. Übertragen auf uns heute bedeutet das: Gott verteilt uns in der Welt. Er mutet uns der Welt zu. Und er mutet die Welt mit ihrer Ungerechtigkeit uns zu. Wir sind in diese Welt gestellt, um zu wachsen und um Frucht zu bringen. Um zu leben. Um sichtbar zu sein. Um geistlich zu nähren – so wie satt zu machen die Bestimmung des Weizenkorns ist.

     Wir sind also in dieser Welt, nicht im Paradies. Und obschon wir Jesus nachfolgen, heisst das nicht, dass wir keine Sorgen und Probleme, Krankheit und Leiden haben. Wir sind mitten in dieser Welt, umgeben vom „Unkraut“. Es versucht uns zu ersticken. Es sieht uns ähnlich (der Lolch, wie dieses Unkraut heisst, und Weizen gleichen sich). Das Unkraut aber sättigt nicht, sondern vergiftet und schadet.
     In dieser Welt sind wir also. Manchmal so nah am Unkraut, dass es uns zu ersticken droht.
     Aber wir sind auch in dieser Welt mit Gottes Verheissungen: Wir werden nicht über unsere Kraft versucht, wie es in 1. Korinther 10, 13 heisst. Und wir werden von Gott nicht alleine gelassen (Matthäus 28, 20). Zudem weiss Jesus, worauf er sich – respektive uns – einlässt. Er weiss, dass in-dieser-Welt-zu-leben kein Sonntagsspaziergang ist. Darum bittet er den Vater in Johannes 17, 15: „Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.“ Jesus will uns nicht aus der Welt hinausbeten, aber er bittet den Vater, uns zu beschützen. So sendet er uns in diese Welt.

 

     Auch über den Feind, der das Unkraut sät, machte ich mir Gedanken. Meine erste Reaktion war: „So gemein!“ Da macht sich einer hinterrücks, in einer Nacht- und Nebelaktion, auf, um den hergerichteten, frisch eingesäten Acker zu zerstören. Er macht es nicht mit grossen Maschinen, indem er übers Feld fährt und seine Spuren hinterlässt. Er macht es unsichtbar. Clever. So, dass man den Schaden erst später feststellt. Nicht umsonst heisst es von der Schlange, die ein Symbol für den Teufel ist, dass sie listig sei.
     Ausser, dass diese Aktion fies ist, ist sie auch gemeingefährlich: Sie bedroht das Leben. Wie gesagt: Weizen und Lolch gleichen sich äusserlich. Aber wehe, man erwischt das Falsche! Dann geht es einem an die Gesundheit, ja, ans Leben. Das Leben wird erschwert, bedroht, zerstört. Und zwar zweifach: Das Leben des Weizens wird bedroht. Der Lolch nimmt ihm nämlich Nährstoffe, Licht, Platz und Wasser weg. Und das Leben derjenigen, die auf den Weizen als Existenzgrundlage angewiesen sind, wird bedroht. Der Weizen kann nicht mehr so üppig wachsen wie sonst und sie ernähren.
     Kennen Sie das, dass jemand Sie bedroht, dass Ihnen jemand das Leben erschwert?
Wie gehen Sie damit um?
Rächen Sie sich?
Werden auch Sie zum Unkraut-Säer, der hinterrücks ein Ackerfeld, eine Lebensgrundlage, zerstört?
Oder überlassen Sie es Gott, einzugreifen?

 

     Erstaunlicherweise greift Gott nicht sofort ein. Er wartet bis zur Erntezeit – bis zum Gericht. Warum? Er will nicht, dass der Weizen auch ausgerissen wird. Der soll zuerst richtig gut wurzeln, wachsen und gross und stark werden – trotz des Unkrauts nebenan.
     Das Urteil des Feldbesitzers – bis zur Ernte zu warten – bestätigt: Weizen und Unkraut leben nebeneinander. Wir Gläubigen sind nicht weg von der Welt, in unserem eigenen, heilen Kosmos. Wir sind hier, mitten unter den Leuten – und sollen neben ihnen unseren Auftrag ausführen: Wachsen. Wurzeln. Frucht bringen.
     Zur Erinnerung: Das Gleichnis spricht von der  neuen Welt Gottes. Vom Reich Gottes. Darin sollen wir uns verwurzeln. Daraus unsere Nahrung holen. Dadurch stark und fruchtbar werden.


     Wir sind mitten in der Fastenzeit vor Ostern. Durch die Fastenkampagne von Brot für alle, Fastenopfer und Partner sein blicken wir in dieser Zeit traditionellerweise über unseren Tellerrand hinaus und unterstützen Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns. Und deren gibt es viele. Es gibt Kleinbäuerinnen, die um ihr Land kämpfen. Denn Grosskonzerne wollen es ihnen wegnehmen. Es gibt Landwirte, die ihr Saatgut verteidigen, weil sie nicht von grossen Firmen abhängig sein wollen. Sie wollen nicht Samen, Dünger und Schutzmittel vom gleichen Konzern kaufen. Sie wollen lieber ihre einheimischen Sorten verwenden und mit ihrem Wissen die Felder bestellen. Und es gibt weltweit viele Jesus-Gläubige, die bedrängt werden, weil sie Jesus nachfolgen. Für sie – und auch für uns, wenn wir in Not und Bedrängnis sind, wenn es vor lauter Lolch eng wird auf dem Ackerfeld – gilt Jesu Zusage:

„Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Herrschaftsgebiet alle einsammeln, die Gott ungehorsam waren und andere zum Ungehorsam verleitet haben.“

     Gott persönlich wird sich kümmern. Er lässt das Ackerfeld zu seiner Zeit gründlich ausjäten, den Lolch – die Bedränger – entfernen und den Weizen in seine Scheune bringen. Der Weizen kommt seinem Bestimmungsort zu. Die Gläubigen werden ihr Ziel erreichen. Gott selber wird sich für sie – für uns – einsetzen.

     Amen.

 

Nach diesem Zwischenspiel – dem Stück „Largo“ von Johann Sebastian Bach (1685-1750) aus der Violinsonate C-Dur BWV 1005 – kommen wir zu den Fürbitten und dem Unservater:

    

     Gott, unser Vater und Erschaffer, wir bitten dich für alle, die Entscheidungen treffen müssen – gib ihnen Weisheit und einen Blick zu dir.

     Wir bitten dich für alle, die im Gesundheitswesen und in der Grundversorgung arbeiten – schütze sie.

     Wir bitten dich für alle Eltern, die neben ihrer Arbeit auch der Beschulung ihrer Kinder nachgehen müssen. Stärke sie.

     Jesus Christus, unser Erlöser, der du die Schuld und die Krankheiten der Welt trugst, erbarme dich. Öffne uns die Augen, wie wir uns gegenseitig helfen können.

     Heiliger Geist, unser Tröster, wir bitten dich für die Menschen, welche in Not, Einsamkeit und Trauer sind. Für betagte Menschen, die keinen Besuch mehr empfangen dürfen. Für Kinder und Erwachsene, die in Heimen leben und übers Wochenende nicht mehr zu ihren Angehörigen dürfen. Sei ihnen nahe. Tröste sie. Begleite sie in ihrem Alltag und steh ihnen bei.

 

In eigenen Worten bringen wir Gott das, was uns beschäftigt:

 

Und gemeinsam beten wir das Gebet, das uns Jesus gelehrt hat:

Unser Vater im Himmel

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Obwohl wir uns nicht persönlich sehen und miteinander reden können, ist unser Seelsorgeteam gerne für Sie da, wenn Sie ein Gespräch wünschen. Rufen Sie uns an oder kontaktieren Sie uns schriftlich.

 

Vor dem Ausgangsspiel – „Komm, Herr, segne uns“, Nummer 343 im ref. Gesangbuch – spreche ich Ihnen den Segen aus 4. Mose 6, 24-26 zu:

„Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“
Amen.

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