Mittwoch-Impuls vom 08.04.2020

von

Info und Kontakte

Predigt und Ablauf: Meret Engel

E-Piano und Orgel: Daniel Engeli

Technik und Schnitt: David Züllig

Ablauf und Predigt als Text

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer im Internet zu Hause und im Pflegeheim

Die Welt, wie wir sie kennen, hat sich in den vergangenen Wochen grundlegend verändert. Das betrifft nicht nur die äussere Welt, sondern geht bis ins ganz persönliche hinein: Familien und Paare sind herausgefordert, auf engem Raum miteinander zu leben und zu arbeiten. Durch die räumliche Distanz kann die Angst aufkommen, dass man vergessen wird oder dass man sich voneinander entfremdet. Viele stehen wirtschaftlich unter einem grossen Druck und müssen schauen, wie sie über die Runden kommen. Die Angst, selber krank zu werden, oder liebe Menschen zu verlieren, kann einen verunsichern oder sogar lähmen. Dazu kommt die Unsicherheit, wie lange diese Massnahmen aufrechterhalten werden müssen.

Was aber kann helfen, die Zeit durchzustehen, die Spannung auszuhalten, die mit dieser Situation verbunden ist?

Wir leben in einer Welt, in der der Mensch aufgefordert ist, immer das Beste aus einer Situation herauszuholen, zu optimieren und das Positive zu sehen. Das kann wertvoll sein, weil man sich mit etwas nicht abfindet und den Blick nach vorne wendet. Aber es besteht auch die Gefahr, dass das, was die Situation mit einem macht, ausgeblendet wird. Dass man sich überfordert, seine Gefühle verdrängt und sich vielleicht auch schämt, wenn es einem nicht gelingt, mit einer Leichtigkeit und Souveränität durch diese Krise zu gehen. Darum kann es auch heilsam sein, sich einzugestehen, dass es eine herausfordernde Zeit ist.

Eine der grossen Stärken des christlichen Glaubens ist es, das Dunkle und Schwere gerade nicht auszublenden, sondern es als Teil des Lebens anzunehmen. Das, was unser Leben durchkreuzt, muss dann nicht verdrängt werden: Es gibt einfach Zeiten, in denen wir nicht mehr weiter wissen. Es kann Moment geben, da fühlen wir uns verzweifelt. Das Leben kann auch traurig sein.

Das Kirchenjahr widmet dem Umgang mit dem Leiden sogar eine eigene Zeit: In der Passionszeit, in 40 Tage vor Ostern, soll der Mensch über den Leidensweg von Jesus nachdenken und damit auch darüber, wie er selber das Leiden im Leben integrieren kann. Die Geschichten, die von Jesus erzählen, können dabei auch heute eine Tiefe erhalten, die uns in unserem Umgang mit dem Leiden helfen können.

Die Szene von Jesus im Garten Gethesmane (Mt 26, 36-39) ist eine dieser Stellen: Jesus hat sich mit einigen seiner Jünger in den Garten zurückgezogen. Da fängt er an zu zittern und wird von der Angst gepackt. Er versteckt seine Verzweiflung aber nicht, sondern sagt er zu seinen Jüngern: «Meine Seele ist zu Tode betrübt, bleibt hier und wacht mit mir.» Mit dem Hinweis auf das Wachen und Beten nimmt Jesus zwei wichtige Aspekte auf, die auch für uns heute in dieser herausfordernden Situation wichtig sein können:

Wer wach bleibt, nicht nur für sich, sondern auch für andere, bleibt aufmerksam für die Bedürfnisse und Sorgen der anderen. Die Corona-Krise hat uns aufgezeigt, wie verletzlich wir sind und wie heilsam es sein kann, wenn uns jemand in unserer Verletzlichkeit annimmt und begleitet. Das wurde mir bewusst, als ich vor einigen Tagen einen Besuch im Spital gemacht habe. Die Stimmung war angespannt: wir mussten auch im Spital natürlich auf den Abstand achten und Schutzmasken tragen. Aber ich traf auf Menschen – Pflegepersonal und Ärzte – die mich ernst genommen haben. Wenn man sich mit Masken anschauen muss und wenig von der Mimik sieht, sich nicht berühren darf und wenn ja, nur mit Handschuhen, dann wird einem bewusst, wie wichtig die Haltung ist, mit der man sich begegnet. Man spürt sehr gut, ob das Gegenüber bei einem ist, die Ängste und Sorgen wahrnimmt – oder ob jemand versucht, sich abzuschirmen und auch innerlich auf Distanz geht. Wachet – das kann darum auch heissen: Wachsam sein für die Anliegen der Mitmenschen. Das ist gerade in dieser Zeit wichtig, wenn Beziehungen anders gestaltet werden müssen.

Jesus fordert aber nicht nur auf, zu wachen, sondern auch zu beten. Das Gebet gehört heute nicht mehr selbstverständlich zum Leben. Denn wir leben in einer Gesellschaft, die davon ausgeht, dass der Mensch autonom und unabhängig ist. Jeder ist für sich selber verantwortlich und es liegt an ihm oder ihr, ob das Leben gelingt oder nicht. Die aktuelle Krise zeigt aber auf, dass das Leben komplexer ist: Es gibt Situationen im Leben, die sind grösser als unser Wille oder Anspruch, das Leben zu schaffen und es wird schnell zynisch, von einer Autonomie zu sprechen, wenn Ärzte auf Intensivstationen darüber entscheiden müssen, wer nun leben darf und wer nicht, was in Italien passiert ist.

Das Gebet hingegen stellt den Menschen in einen weiteren Horizont: Wir können das Leben in all seiner Tiefe, Vielfalt und Widersprüchen nicht immer verstehen. Wir haben nicht alles im Griff. Das müssen wir im Moment ja schmerzhaft erfahren. Das Gebet kann helfen, diese Hilflosigkeit auszudrücken und in Worte zu fassen. Dabei kann etwas passieren: Unsere Worte können zum Himmel steigen und uns so mit Gott verbinden. Das Gebet kann uns herausheben aus unseren Sorgen, uns einbetten in die Liebe Gottes: Wer betet, mag die Erfahrung machen, dass dem Leben mehr zugrunde liegt, als wir sehen können. Dass mit Gott eine Kraft da ist, die uns trägt und hält und unterstützt. Durch das Gebet kann man eine andere Perspektive gewinnen. Man gewinnt Abstand zu dem, was einem bedrängt, weil man sich in den Horizont des Göttlichen stellt, das alles umfasst.

«Meine Seele ist zu Tode betrübt, bleibt hier und wacht mit mir.» Diese Worte drücken eine grosse Not aus. Gleichzeitig liegt in ihnen auch eine Hoffnung und eine Kraft: Jesus öffnet sich anderen Menschen und sagt, was er braucht. Gerade in dieser Zeit kann es eine grosse Erleichterung auch für uns sein, wenn wir jemandem sagen können: wache und bete. Das kann die Fähigkeit geben, sich nicht in der Angst und den Sorgen zu verlieren, sondern sich mit neuem Mut und Zuversicht dem Leben zu stellen.

Amen.

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Kollekte

In der Fastenzeit geht die Kollekte an folgende Projekte:

INDONESIEN: WIDERSTAND GEGEN WEITERE PALMÖLPLANTAGEN (Brot für alle-Projekt):

Die weltweite Nachfrage nach dem Öl steigt ständig. Und davon wollen viele profitieren. Entsprechend schnell vergrössern die Konzerne ihre Plantagen. Die Rechte der Menschen in den Dörfern bleiben dabei auf der Strecke. Der Bevölkerung steht nur noch ein kleiner Teil des nutzbaren Bodens zur Verfügung. So fehlt vielen das Land, um Nahrung für sich und die Familie anzubauen. Und nur wenige finden Arbeit auf den Plantagen oder in der Verarbeitung des Palmöls. Zusammen mit der Partnerorganisation Walhi setzt sich Brot für alle für die Rechte der Bevölkerung ein und unterstützt sie im Widerstand gegen Landgrabbing.


KAMERUN: UNTERTÜTZUNG VON UEEC:

Als Kirchgemeinde unterstützen wir die Partnerkirche UEEC in Kamerun seit 2014. In dieser Zeit wurden verschiedenste Projekte (Kirchenneubau in Douala, Gesundheitszentrum in Touboro, Inlandflüchtlingshilfe, usw.) von uns finanziell unterstützt. Seit 2011 ist SAM global das Verbindungsglied zwischen den Kirchen in der Schweiz und in Kamerun.

Mit dem Auftreten der Extremistengruppe Boko Haram in der Region Extrême Nord mussten 2014 sämtliche Einsatzleistende von SAM global das Land verlassen. Seither verantwortet die UEEC die Projekte in Zusammenarbeit mit zahlreichen, gut ausgebildeten, pflichtbewussten und initiativen lokalen Mitarbeitenden. SAM global sorgt weiterhin dafür, dass unsere Spenden an den richtigen Ort kommen.

 

Wenn bei einer Einzahlung nichts angekreuzt ist, geht der eingegangene Betrag je zur Hälfte an die beiden Projekte.

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