Mittwoch-Impuls vom 13.05.2020

von

Info und Kontakte

Predigt und Ablauf: Meret Engel

E-Piano und Orgel: Daniel Engeli

Technik und Schnitt: Edith Lengacher, Albert Fistarol

 

Ablauf und Predigt als Text

Thema: Glaubensweg

 

Predigt

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer im Internet und im Pflegeheim

Wie ist das bei Ihnen mit dem Glauben? Ist er immer gleich stark? Oder haben Sie, gerade in schwierigen Zeiten, manchmal auch Zweifel, ob Gott bei Ihnen ist?

Ich merke, dass das bei mir sehr unterschiedlich sein kann: Es gibt Zeiten, da fühle ich mich Gott sehr nahe, eingebunden in seine Liebe. Aber manchmal, da ist die Beziehung zu ihm auch etwas distanziert, weil ich ihn nicht spüren kann oder ich gewisse Dinge nicht verstehen kann.

Dass die Beziehung zu Gott nicht immer gleich ist, sondern dass sie – wie jede andere Beziehung auch – von unterschiedlicher Intensität sein kann, wird in den letzten Versen im Matthäusevangelium berichtet (Mt 28, 16-20). Die Jünger haben von den Frauen erfahren, dass Jesus auferstanden sei und dass er sie auf einem Berg in Galiläa treffen wolle. Ich stelle mir vor, dass ihnen unterschiedliches durch den Kopf gegangen ist, als sie das gehört haben: Eine Freude, eine Beschwingtheit, eine Erleichterung auch, dass das eben doch stimmt, was Jesus erzählt hat, dass die Liebe Gottes nämlich stärker ist als der Tod. Und gleichzeitig werden einige auch kritische Gedanken gehabt haben: Sie haben ja erst gehört, dass Jesus auferstanden ist. Aber ist es wirklich so? Lohnt sich dieser Weg? Oder werden sie nur enttäuscht?

Dass die Jünger dem auferstandenen Jesus ausgerechnet auf einem Berg begegnen, kann ein Bild sein für den eigenen Glaubensweg: Es ist anstrengend, auf einen Berg zu wandern. Man muss die Kräfte einteilen, bisweilen sich selber überwinden, um nicht abzubrechen und je nach Gelände kann man den Weg nur erahnen. So kann auch die Suche nach Gott herausfordernd sein. Vielleicht gibt es Menschen, die uns belächeln, weil wir an Gott glauben. Vielleicht merken wir, dass wir bestimmte Bilder von Gott haben, die hinderlich sind, die uns eher von ihm trennen, als uns mit ihm in Verbindung bringen und es kann auch ein schmerzhafter Prozess sein, uns von Gottesvorstellungen zu lösen. Und vielleicht sind wir auch im Glauben manchmal unsicher, ob wir auf dem richtigen Weg sind.

Aber wenn man es geschafft hat und oben auf dem Berg ankommt, dann ist das ein wunderbares Gefühl. Die ganze Anstrengung hat sich gelohnt – der Blick schweift in die Ferne und man sieht alles aus einer anderen Perspektive. Man kann durchatmen und sich selber wieder spüren. Und so gibt es auch auf dem Glaubensweg diese Erfahrung, dass man spürt, wie man Gott berührt wird, wie seine Liebe uns bewegt, befreit, weitet uns auch neue Visionen und Zuversicht schenkt.

Die Geschichte der Jünger kann einladen, sich selber auf den Weg mit Gott zu machen. Und manchmal, ja, muss man auch Zweifel aushalten und widerstehen. Bei den Jüngern kommt der Zweifel an einer ziemlich unerwarteten Stelle, nämlich oben auf dem Berg. Denn als sie den auferstandenen Jesus sahen, schreibt Matthäus, „warfen sie sich nieder; einige aber zweifelten“.

Die Jünger haben erlebt, wie Jesus Menschen aufrichten konnte, sie geheilt hat und haben die Botschaft gehört, dass etwas Neues anbrechen wird, dass der Tod, das Dunkle, das Schwere nicht das letzte Wort haben werden. Aber hier oben auf dem Berg, als sie dem auferstandenen Christus begegnen, da scheinen einige von ihnen das nicht fassen zu können. Nein, das kann doch nicht sein, dass er lebt! Das kann ich doch nicht glauben. Das kann nicht wahr sein.

Ich finde es bedeutsam, dass Matthäus diesen Zweifel erwähnt. Denn mit dieser Stelle nimmt die Bibel einen wichtigen Aspekt auf: Der Zweifel darf zum Glauben gehören darf. Denn wer zweifelt, bleibt sorgsam. Er ist nicht so überzeugt von sich selber, dass er andere in seiner Selbstgerechtigkeit vor den Kopf stösst. Zweifel ermöglichen auch ein Wachsen und Reifen im eigenen Gottesglauben, weil man sich immer wieder neu auf die Suche nach Gott macht. Und so werden auch die Jünger trotz – oder gerade wegen – ihres Zweifels damit beauftragt, die Botschaft von Jesus Christus weiterzutragen.

Die Geschichte der Jünger kann einen so bestärken, den eigenen Glaubensweg zu gehen. Den Weg auch dann weiterzugehen, wenn wir das Gefühl haben, dass Gott gerade weit weg ist.

Und sich nicht vorschnell vom Zweifel abhalten lassen – er kann ein wertvoller Mosaikstein im persönlichen Glauben sein.

Amen.

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Kollekte

TEF Thurgauische Evangelische Frauenhilfe

Die Thurgauische Evangelische Frauenhilfe berät, unterstützt, sensibilisiert und fördert Frauen auf verschiedenen Gebieten im kirchlichen und öffentlichen Leben. Sie bietet Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen (Partnerschaftsproblemen in der Familie, Fragen zu Trennung und Scheidung, Beratung von Alleinstehenden und/oder Alleinerziehenden, finanzielle Notlagen, einfache Rechtsauskünfte, Weitervermittlung an andere Fachstellen) Frauen und deren Familien aus dem ganzen Kanton Thurgau, unabhängig von Konfession und Nationalität, können sich bei der professionell geführten Beratungsstelle melden. Die Beratungen sind unentgeltlich. Die tef betreibt in Romanshorn die „Wohnen auf Zeit“-Wohnung: Personen, die vorübergehend eine Wohnmöglichkeit brauchen, können hier zu einem moderaten Zins vorübergehend eine möblierte 2-Zimmerwohnung mieten. Wir freuen uns, dass es dieses wichtige Angebot in Romanshorn gibt und möchten dies mit unseren Gaben unterstützen.

 

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