Mittwoch-Impuls vom 20.05.2020

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Info und Kontakte

Predigt und Ablauf: Ruedi Bertschi

Musik: Oliver Kopeinig

Technik und Schnitt: Edith Lengacher, Albert Fistarol

 

Gespielte Werke:
Eingangsspiel: „Melody“, Betty Roe (1930*)
Zwischenspiel: „Pastorale“, Hans-Joachim Wagner (1912-2000);
Ausgangsspiel: eine Bearbeitung von „Ich bete an die Macht der Liebe“ von Herfried Mencke (1944*)

Ablauf und Predigt als Text

Mittwoch-Impuls vom 20. Mai 2020

zum Thema: Verbratete Zeit

 

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer

In der Predigtreihe aus der Apostelgeschichte kommen wir heute zum 23. Kapitel. Es ist ein Kapitel, wo der Gottesmann Paulus fast nichts Anderes macht als Zeit zu verbraten. Ja, genau! Der grosse überaus zielstrebige und fokussierte Gottesmann ist daran Zeit zu verbraten! Da wollte er vor dem jüdischen Hohen Rat zu Jerusalem Klarheit schaffen, um so schnell wie möglich wieder seiner Berufung nachgehen zu können. Er wollte den mächtigen Männern seine grosse Mission erklären. Er wollte seine Mission mit Beispielen aus seinem Leben bekräftigen. Er wollte dem Hohen Rat seinen neuen Weg mit Jesus dem Messias lieb machen… - Und dann kam alles ganz. Schon nach dem ersten Satz wird ihm eins auf den Mund geschlagen. Paulus verliert für einen Moment seine Fassung. Er fängt sich wieder auf und kommt nochmals so richtig in Fahrt. - Doch die Stimmung kippt. Es gibt einen Tumult. Paulus muss von römischen Sicherheitskräften geschützt werden. - Und dann erfährt er zu allem Übel noch von einem geplanten Mordanschlag. Um seine Haut zu retten, lässt er den römischen Kommandanten benachrichtigen. Dieser nimmt die Sache ernst, sehr ernst sogar und befiehlt noch für die kommende Nacht eine grosse Übung. Wörtlich:  23 Und er rief zwei Hauptleute zu sich und sagte: Stellt für die dritte Stunde der Nacht zweihundert Soldaten bereit zum Abmarsch nach Cäsarea, ebenso siebzig Reiter und zweihundert Leichtbewaffnete. 24 Auch Reittiere soll man bereithalten, damit Paulus aufsitzen und man ihn wohlbehalten zum Statthalter Felix bringen kann… 31 Die Soldaten übernahmen Paulus, wie ihnen befohlen war, und brachten ihn in der Nacht nach Antipatris. 32 Am andern Tag liessen sie die Reiter mit ihm weiterziehen und kehrten in die Kaserne zurück. 33 Jene aber kamen nach Cäsarea, übergaben dem Statthalter den Brief und führten ihm auch Paulus vor.

Von den Zahlen, Zeiten und Distanzen her ist alles stimmig. Die ersten 50 Kilometer mit Volleskorte. Die restlichen 50km mit Teilbesatzung, kommandiert von zwei Hauptmännern. Militärisch gut geplant. Alles im grünen Bereich und erst noch mit einem detaillierten Begleitbrief.

Warum aber wird uns das alles in der Bibel so ausführlich erzählt, obwohl doch geistlich gesehen und missionsstrategisch gar nichts lief? Und warum bin ich so dumm und mache dazu noch einen Mittwochimpuls? Paulus von heidnischen Soldaten geschützt auf einer Zeitverbratübung! Er, der gesagt hatte, er sei bereit, in Jerusalem nicht nur zu leiden, sondern auch zu sterben… Und jetzt dies! Da wird nicht gestorben! Da wird Zeit verbraten! - Um Gottes willen, dass so was geschah, ist erschütternd genug! Aber müssen wir das so genau wissen? Paulus, der Mann, der Blinde sehend gemacht und Lahme gehend; der Mann, dessen Schweisstuch in Ephesus sogar Kranke gesundgemacht hatte…  Und jetzt kraftlos, wirkungslos, erfolglos, orientierungslos… Von Sterbensbereitschaft keine Spur! Zeit verbratet er, einfach nur Zeit!

Von den eigenen Leuten bedroht, hockt er auf einem Reittier, eskortiert von 470 heidnischen Soldaten und schaukelt von Jerusalem weg Richtung Mittelmeer, wie 1812 der geschlagene Napoleon auf seiner Rückkehr vom verlorenen Krieg in Russland… Welch eine Demütigung! Sein Meister, Jesus, der Messias, der war damals auf einem Reittier in Jerusalem eingezogen. Es ging dann schnell über Verhaftung, Verhör und Folterung hinauf ans Kreuz. Paulus aber reitet von Jerusalem weg ohne zuvor gestorben zu sein und verbratet Zeit, viel Zeit. Paulus sitzt nicht nur auf einem Reittier, sondern als Gefangener mitten in der kohlpechrabenschwarzen Tinte. Vor ihm steht eine versalzene Suppe, die er sich selber eingebrockt hat.

Kennen wir solche Zeiten? Solche Zeitverbratungszeiten, die wir uns erst noch selber eingebrockt haben? Willkommen im Club! Mit gutem Gewissen kann ich dir sagen: Gott ist auch auf unseren Umwegen und Irrwegen mit dabei. Und Gott führt auch wieder auf rechte Bahn zur rechten Zeit. Vielleicht merken wir viel, viel später, dass unser Umweg eigentlich einer unserer wichtigsten Wege unseres Lebens war und dass unsere Zeitverbratgeschichten mehr Sinn machten, als wir anfänglich dachten. - Mitten in dieser verrückten Zeit zwischen dem Tumult und dem Verlassen der Stadt Jerusalem lesen wir so fast nebenbei: «In der folgenden Nacht aber trat der Herr zu Paulus und sprach: Fasse Mut! Wie du in Jerusalem für mich Zeugnis abgelegt hast, so sollst du auch in Rom für mein Zeuge sein!» AMEN.

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TEF Thurgauische Evangelische Frauenhilfe

Die Thurgauische Evangelische Frauenhilfe berät, unterstützt, sensibilisiert und fördert Frauen auf verschiedenen Gebieten im kirchlichen und öffentlichen Leben. Sie bietet Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen (Partnerschaftsproblemen in der Familie, Fragen zu Trennung und Scheidung, Beratung von Alleinstehenden und/oder Alleinerziehenden, finanzielle Notlagen, einfache Rechtsauskünfte, Weitervermittlung an andere Fachstellen) Frauen und deren Familien aus dem ganzen Kanton Thurgau, unabhängig von Konfession und Nationalität, können sich bei der professionell geführten Beratungsstelle melden. Die Beratungen sind unentgeltlich. Die tef betreibt in Romanshorn die „Wohnen auf Zeit“-Wohnung: Personen, die vorübergehend eine Wohnmöglichkeit brauchen, können hier zu einem moderaten Zins vorübergehend eine möblierte 2-Zimmerwohnung mieten. Wir freuen uns, dass es dieses wichtige Angebot in Romanshorn gibt und möchten dies mit unseren Gaben unterstützen.

 

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