Monatsgedanke September

von

Glaube und Verantwortung

Noah gilt in der jüdisch-christlichen Tradition als ein gottesfürchtiger und gerechter Mann: Er ist einer der Urväter, aus seinen Söhnen geht die Menschheit hervor und Gott hat mit ihm einen Bund geschlossen. Aber es gibt gerade aus jüdischer Sicht auch Kritik an Noah, respektive an seiner passiven Haltung. Denn als Gott ihm den Auftrag gibt, die Arche zu bauen, macht er sich ans Werk, ohne die Absicht Gottes zu hinterfragen. Er verhandelt nicht mit ihm und stellt sich auch nicht auf die Seite der Menschen, wie es Moses oder Abraham getan haben, wobei der letztere Gott sogar daran erinnert hat, dass er ein gerechter Gott sein müsse. Noah ist so der stille und gehorsame Ausführer des Willen Gottes, aber er ist kein Anführer. Er versucht weder, seine Mitmenschen zu retten, noch mit Gott zu diskutieren. Er bleibt nicht fassbar und während es Gott reut, dass er die Menschen so hart bestraft hat, hört man von Noah kein Wort des Zweifels. Die jüdische Kritik an Noah erinnert daran, dass es im Glauben nicht nur um ein Bekenntnis geht. Sondern dass er das Handeln miteinbezieht. «Glaube» heisst mitdenken und sich in der Welt einbringen. Dieser Gedanken ist gerade in der Schöpfungszeit wichtig, wenn in der Kirche über den Umgang des Menschen mit der Natur nachgedacht wird. In der Politik ist jeweils von der Eigenverantwortung die Rede. Auch der christlich-jüdische Glaube fordert zur Eigenverantwortung auf und darauf zu achten, wo man im eigenen Leben die Schöpfung bewahren kann.

 

Text: Meret Engel; Bild: Wikipedia; Das Besteigen der Arche (Mosaik; Kathedrale von Monreale Sizilien; ca. 1180)

 

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