Ostergottesdienst vom 12.04.2020

von

Info und Kontakte

Predigt und Ablauf: Meret Engel

E-Piano und Orgel: Daniel Engeli

Technik und Schnitt: Edith Lengacher

Ablauf und Predigt als Text

Predigt an Ostern, 12. April 2020

Thema: Auferstehung im Leben

Predigttext: Lukas 24, 1-11: Das leere Grab

Am ersten Tag der Woche aber kamen sie noch im Morgengrauen zum Grab und brachten die wohlriechenden Öle mit, die sie zubereitet hatten. Da fanden sie den Stein weggewälzt vom Grab. Als sie aber hineingingen, fanden sie den Leichnam des Herrn Jesus nicht. Und es geschah, während sie ratlos dastanden, dass auf einmal zwei Männer in blitzendem Gewand zu ihnen traten. Voller Furcht neigten sie das Gesicht zur Erde, und die Männer sagten zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferweckt worden. Denkt daran, wie er zu euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: Der Menschensohn muss in die Hände von sündigen Menschen ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen. Da erinnerten sie sich an seine Worte. Und sie kehrten vom Grab zurück und berichteten alles den elfen und allen andern. Es waren dies Maria aus Magdala und Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus, und die anderen Frauen, die mit ihnen waren. Sie sagten es den Aposteln;  denen aber erschienen diese Worte wie leeres Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht.

 

 

Predigt

Liebe Gemeinde

Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen jemand erzählen würde, dass ein Mensch auferstanden sei? Würden Sie es glauben? Oder würden Sie das Gespräch möglichst schnell beenden wollen, weil es Ihnen unwohl wird, mit einer scheinbar verwirrten Person zu reden?

Was fängt man an mit der Vorstellung von der Auferstehung? Das ist eine Frage, die sich nicht nur heute stellt, sondern bereits zur Zeit Jesus aktuell war. So glauben die Jünger den Frauen nicht, als sie erzählen, dass Jesus auferstanden sei und stempeln die Aussage als Geschwätz, als Unsinn ab. Auch damals, zur Zeit von Jesus, war die Vorstellung von einer Auferstehung nicht normal. Christen und Christinnen wurden denn belächelt und als naiv angeschaut.

Wer hat jetzt recht – die Christen oder die Skeptiker? Ich glaube, diese Frage bringt einen nicht weiter. Denn niemand kann beweisen, dass Jesus auferstanden ist. Am Beginn des Christentum stehen denn auch keine Lehrsätze, die erklären wollen, wie das mit der Auferstehung genau passiert es. Sondern es sind Erfahrungen, Visionen und Offenbarungen. Das Christentum hätte sich wohl niemals so schnell ausgebreitet, wenn es nur eine Kopfsache gewesen wäre. Vielmehr muss Ostern mit den Menschen etwas gemacht, das ihnen den Mut gegeben hat, öffentlich zu verkündigen, dass Jesus lebt.

Diese «nicht-fassbarkeit», «nicht-beweisbarkeit» der Auferstehung ist wohl ausschlaggebend, warum es heute noch schwieriger ist, von der Auferstehung zu sprechen als zur Zeit von Jesus. Denn wir leben in einer Zeit, in der in der Regel nur das als wahr und richtig gilt, was man belegen kann. Wer darum davon spricht, dass es da auch noch eine Verbindung des Menschen zu etwas Grösserem geben könnte, das ihn übersteigt, ihn beeinflussen, prägen, formen kann, und noch mehr: das Leben und Sterben umfasst, wird in der Regel als ungläubig angeschaut.

Die Auferstehung von Jesus weist aber gerade daraufhin, dass die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits sich auflösen können. Jesus, der am Kreuz gestorben ist, wird wieder lebendig. Es handelt sich aber nicht einfach um eine Wiederbelebung eines toten Körpers, sondern mit Jesus ist eine Art Transformation passiert: Nach der Auferstehung ist er sichtbar – und plötzlich wieder unsichtbar. Durch die Auferstehung ist darum eine neue Wirklichkeit in dieses Welt gekommen: Himmel und Erde verbinden sich, Zeit und Raum lösen sich auf und Gottes Licht erstrahlt auch  in der Dunkelheit. Dem Menschen wird so die Hoffnung geschenkt, dass neues Leben möglich ist.  

Die Auferstehung ist aber nicht nur am Ende des Lebens möglich. Denn es mag Zeiten im Leben geben, in denen man sich wie tot fühlt. Man hat vielleicht das Gefühl, alles sei umsonst und vergeblich, man sieht keine Perspektive, ist eingeschlossen, eingekapselt in der Angst und der Nichtigkeit. Das erfüllte, farbige Leben kann einem wie ein ferner Traum erscheinen, das weit zurückliegt – oder weit weg – unnahbar, unfassbar.

Wenn die Bibel von der Auferstehung spricht, dann ist die Hoffnung da, dass neues Leben entstehen kann – auch in unserem Alltag. So schreibt Paulus, dass der Mensch mit Christus auferweckt werden und sein Leben neu ausrichten kann (Kol 3,1). Die Lyrikerin Marie Louise Kaschnitz hat es noch einmal anders ausgedrückt: «Manchmal stehen wir auf. Stehen wir zur Auferstehung auf. Mitten am Tage. Mit unserem lebendigen Haar. Mit unserer atmenden Haut.“

Eine Auferstehung mitten im Leben – das kann sich überall dort ereignen, wo die Liebe über den Hass, das Leben über das Einengende, das Vertrauen über die Angst siegt. Denn Gott ist Liebe und durch die Auferstehung hat Jesus gezeigt, dass diese Liebe durch alles hindurch geht: Durch Schuld und Scham, Anfechtung und Verzweiflung, durch Leid und sogar durch den Tod. Durch die Auferstehung werden wir verbunden mit Gott, dieser allumfassenden Liebe und Macht, die unsere Welt durchzieht und uns verbinden über Zeit und Raum hinweg. Und man hat vielleicht wirklich das Gefühl, wie Paulus es schreibt, ein neuer Mensch zu sein, weil sich Altes, Bedrängendes, Lebensverhinderndes und festgefahrene Strukturen aufgelöst haben.

Ostern kann so eine neue Perspektive schenken: Das Leben lässt sich nicht einsperren, nicht einmal in einem Grab. Das Leben muss auch nicht so bleiben wie es ist. Sondern wie aus einer unscheinbaren Knospe eine farbige Blume hervorgehen kann, so kann sich auch das eigene Leben entfalten. Die Kraft für diese Entfaltung kann vom Glauben ausgehen, der hilft, auch im Dunkeln weiterzugehen, das Leben zu gestalten, Herausforderungen anzunehmen, sich etwas zutrauen und anpacken. Und überall dort, wo ein Menschen sich in der Angst oder der Hoffnungslosigkeit verloren hat, und zu neuem Vertrauen findet, geschieht Auferstehung.

Die Botschaft von Ostern ist darum auch heute aktuell: Die Corona-Krise hat unseren Alltag durchkreuzt. Sie zeigt uns, wie verletzlich unser Leben und unser scheinbar so sicheres System ist, wie wenig es braucht, dass die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben still stehen und scheinbar unmögliches auf einmal möglich sein muss. Und wie in jeder Krise ist die Gefahr da, dass man sich aus Angst zurückzieht, sich gelähmt fühlt oder möglichst schnell wieder in einen normalen Alltag zurück will. Aber auch wenn wir die Krise überstanden haben, wird die Welt eine andere sein. Die Isolation und das Abstandnehmen werden Menschen verändern, die wirtschaftlichen und gesellschaftliche Folgen werden nachwirken. Es können auch Fragen aufkommen, was das Zusammenleben in dieser Welt anbelangt, wie wir als Weltgemeinschaft einander unterstützen können. Denn diese Krise hat auch gezeigt, dass wir durch die Globalisierung alle miteinander verbunden sind. Im Guten wie im Schlechten.

Der Glaube an die Auferstehung kann so neue Perspektiven aufzeigen. Im Kleinen wie im Grossen. Wichtig ist, dass man sich auf diesen Gedanken und das Vertrauen einlässt, dass neues Leben entstehen kann. Und diesen Glauben nicht vorschnell als «leeres Geschwätz» abtut.

Amen.

 

 

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Kollekte

In der Fastenzeit geht die Kollekte an folgende Projekte:

INDONESIEN: WIDERSTAND GEGEN WEITERE PALMÖLPLANTAGEN (Brot für alle-Projekt):

Die weltweite Nachfrage nach dem Öl steigt ständig. Und davon wollen viele profitieren. Entsprechend schnell vergrössern die Konzerne ihre Plantagen. Die Rechte der Menschen in den Dörfern bleiben dabei auf der Strecke. Der Bevölkerung steht nur noch ein kleiner Teil des nutzbaren Bodens zur Verfügung. So fehlt vielen das Land, um Nahrung für sich und die Familie anzubauen. Und nur wenige finden Arbeit auf den Plantagen oder in der Verarbeitung des Palmöls. Zusammen mit der Partnerorganisation Walhi setzt sich Brot für alle für die Rechte der Bevölkerung ein und unterstützt sie im Widerstand gegen Landgrabbing.


KAMERUN: UNTERTÜTZUNG VON UEEC:

Als Kirchgemeinde unterstützen wir die Partnerkirche UEEC in Kamerun seit 2014. In dieser Zeit wurden verschiedenste Projekte (Kirchenneubau in Douala, Gesundheitszentrum in Touboro, Inlandflüchtlingshilfe, usw.) von uns finanziell unterstützt. Seit 2011 ist SAM global das Verbindungsglied zwischen den Kirchen in der Schweiz und in Kamerun.

Mit dem Auftreten der Extremistengruppe Boko Haram in der Region Extrême Nord mussten 2014 sämtliche Einsatzleistende von SAM global das Land verlassen. Seither verantwortet die UEEC die Projekte in Zusammenarbeit mit zahlreichen, gut ausgebildeten, pflichtbewussten und initiativen lokalen Mitarbeitenden. SAM global sorgt weiterhin dafür, dass unsere Spenden an den richtigen Ort kommen.

 

Wenn bei einer Einzahlung nichts angekreuzt ist, geht der eingegangene Betrag je zur Hälfte an die beiden Projekte.

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