Sonntags Gottesdienst vom 29.03.2020

von

Info und Kontakte

Predigt und Ablauf: Sarah Fakhoury

E-Piano und Orgel: Bruno Sauder

Lektor: Hansjürg Oesch

Technik und Schnitt: David Züllig

Ablauf und Predigt als Text

Wenn einer gross sein will…

Sonntagsgottesdienst zu Markus 10, 35-45

Eingangsspiel: Johann Sebastian Bach (1685-1750) der erste Vers des Choralvorspiels „O Lamm Gottes, unschuldig“ BWV 656

 

„Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er ist ein Vater, dessen Erbarmen unerschöpflich ist, und ein Gott, der uns nie verzweifeln lässt. Auch wenn ich viel durchstehen muss, gibt er mir immer wieder Mut. Darum kann ich auch anderen Mut machen, die Ähnliches durchstehen müssen. Ich kann sie trösten und ermutigen, so wie Gott mich selbst getröstet und ermutigt hat.“

( 2. Korinther 1, 3-4; www.bibleserver.com; Übersetzung: Gute Nachricht)

 

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer im Pflegeheim und via Internet,

liebe Leserinnen und Leser,

 

     Wie treffend ist doch dieser Losungsvers in einer Zeit, in der viel Unsicherheit und viel Trauer herrschen.

Paulus, der Verfasser des Korintherbriefs, hat die Erfahrung gemacht, dass Gott ihn immer wieder ermutigt hat, auch wenn er viel durchstehen musste. Er hat erlebt, dass Gott reich ist an Erbarmen. Er wurde von Gott gestärkt, sodass er auch anderen in ihrer Not beistehen kann.

     An diesen Gott glauben wir. Dieser Gott, der uns auch heute sein Erbarmen zeigt und uns Mut macht. Der bei uns ist - auch wenn wir diesen Gottesdienst in einer leeren Kirche aufnehmen, weil Versammlungen in diesen Wochen nicht erlaubt sind.

     So lasst uns diesen Gottesdienst trotz der Umstände freudig und durch Gottes Gegenwart miteinander verbunden feiern. Der dreieinige Gott ist mit uns.

                                                                                                   

Ich bete:

Dreieiniger Gott, danke für dein Erbarmen, deine Gegenwart und deine Liebe zu uns allen. Danke, dass wir trotz der Versammlungseinschränkungen die Möglichkeit haben, dir zu begegnen. Du lässt dich nicht einschränken. Danke, dass wir auch die technischen Mittel haben, Gottesdienste aufzuzeichnen und so einander auch ausserhalb der Kirche zu ermutigen.

Ich bitte dich, dass wir unsere Alltagssorgen und was uns beschäftigt ablegen und uns auf dich ausrichten können. Wir wollen von dir ermutigt und gestärkt werden.

Amen.

 

Wir hören nun die Melodie des Liedes „Grosser, Gott wir loben dich“. Es ist die Nummer 247 im reformierten Kirchengesangbuch.

 

Die heutige Lesung ist aus 1. Mose 37 die Verse 1-11:

Josef hat prophetische Träume
1 Jakob nahm seinen Wohnsitz im Land Kanaan, dem Land, in dem schon sein Vater als Fremder gelebt hatte. 2 Dies ist die Familiengeschichte Jakobs: Jakobs Sohn Josef war noch ein junger Bursche von siebzehn Jahren. Er half seinen Brüdern, den Söhnen von Bilha und Silpa, beim Hüten der Schafe und Ziegen. Er hinterbrachte seinem Vater immer, was die Leute sich von dem Treiben seiner Brüder erzählten. 3 Jakob hatte Josef von allen seinen Söhnen am liebsten, weil er ihm erst im Alter geboren worden war. Deshalb liess er ihm ein prächtiges Gewand machen. 4 Als seine Brüder sahen, dass der Vater ihn mehr liebte als sie alle, begannen sie ihn zu hassen und konnten kein freundliches Wort mehr mit ihm reden. 5 Einmal hatte Josef einen Traum. Als er ihn seinen Brüdern erzählte, wurde ihr Hass noch größer. 6 „Ich will euch sagen, was ich geträumt habe“, fing Josef an. 7 „Wir waren miteinander auf dem Feld, schnitten Getreide und banden es in Garben. Auf einmal stellt sich meine Garbe auf und bleibt stehen. Und eure Garben, die stellen sich im Kreis um sie herum und verneigen sich vor meiner.“ 8 Seine Brüder sagten zu ihm: „Du willst wohl noch König werden und über uns herrschen?“ Wegen seiner Träume und weil er sie so offen erzählte, hassten ihn seine Brüder noch mehr. 9 Er hatte nämlich noch einen anderen Traum, und auch den erzählte er ihnen. „Ich habe noch einmal geträumt“, sagte er. „Ich sah die Sonne, den Mond und elf Sterne. Stellt euch vor: Die alle verneigten sich vor mir.“ 10 Als er das seinem Vater und seinen Brüdern erzählte, fuhr sein Vater ihn an und sagte: „Was ist das für ein dummer Traum, den du da geträumt hast? Ich und deine Mutter und deine Brüder, wir alle sollen uns vor dir niederwerfen?“ 11 Die Brüder waren eifersüchtig auf Josef; aber sein Vater behielt die Sache im Gedächtnis.

(www.bibleserver.com; Übersetzung: Gute Nachricht Bibel.)

 

Wir hören nun die Melodie des Liedes „Nun danket alle Gott“. Es ist die Nummer 233 im reformierten Kirchengesangbuch.

 

Der heutige Predigttext aus Markus 10 schliesst an die dritte Todesankündigung an, die Jesus macht. Insgesamt dreimal sagt Jesus seinen Jüngern klar und deutlich, dass er „den Hohepriestern und Schriftgelehrten überantwortet werden wird, und sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Heiden überantworten. Die werden ihn verspotten und anspeien und geisseln und töten, und nach drei Tagen wird er auferstehen.“

     Dass Jesus umgebracht werden soll, beschliessen die Pharisäer und Herodesanhänger schon im 3. Kapitel. Das ist kurz nachdem Jesus mit seinem Wirken angefangen hat. Aber er selber spricht nicht schon von Anfang an so klar und deutlich darüber. Er sagt nicht von Anfang an, wer er wirklich ist und was er auf sich nehmen wird. Aber ab Kapitel 8 traut er seinen Jüngern diese klaren Worte zu.

Und wie reagieren die?

     In Kapitel 8 will Petrus Jesu „Schicksal“ abwenden. Aber Jesus findet harte, klare Worte, mit denen er Petrus zurechtweist. Und kurz darauf sagt er dem Volk und seinen Jüngern, was Nachfolge bedeutet. Nämlich, sein Kreuz auf sich zu nehmen. Jesus nachzufolgen ist kein Sonntagsspaziergang.

     Nach der zweiten Todesankündigung in Kapitel 9 sind die Jünger erst einmal verwirrt und gleichzeitig erschrocken. Sie getrauen sich nicht, Jesus zu fragen, was er mit seinen Worten meint. Und dann – unterwegs nach Kapernaum – streiten sie sich darüber, wer unter ihnen der Grösste sei. Jesus erklärt ihnen, dass der, der gross sein will, ein Diener sein muss. Und: Wer ein Kind aufnimmt – Jesus zuliebe – der nimmt Jesus selber auf.

     Und nun, in Kapitel 10, ereignet sich Folgendes nach der Todesankündigung, die Jesus macht. Ich lese die Verse 35-45:

 

35 Da gingen Jakobus und Johannes, die Söhne von Zebedäus, zu Jesus hin und sagten zu ihm: „Lehrer, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst!“ 36 „Was möchtet ihr denn?“, fragte sie Jesus. „Was soll ich für euch tun?“ 37 Sie sagten: „Wir möchten, dass du uns rechts und links neben dir sitzen lässt, wenn du deine Herrschaft angetreten hast!“ 38 Jesus sagte zu ihnen: „Ihr wisst nicht, was ihr da verlangt! Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke? Könnt ihr die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?“ 39 „Das können wir!“, sagten sie. Jesus erwiderte: „Ihr werdet tatsächlich den gleichen Kelch trinken wie ich und mit der Taufe getauft werden, die mir bevorsteht. 40 Aber ich kann nicht darüber verfügen, wer rechts und links neben mir sitzen wird. Auf diesen Plätzen werden die sitzen, die Gott dafür bestimmt hat.“ 41 Die anderen zehn hatten das Gespräch mitangehört und ärgerten sich über Jakobus und Johannes. 42 Da rief Jesus alle zwölf zu sich her und sagte: „Ihr wisst: Die Herrscher der Völker, ihre Grossen, unterdrücken ihre Leute und lassen sie ihre Macht spüren. 43 Bei euch muss es anders sein! Wer von euch gross sein will, soll euer Diener sein, 44 und wer der Erste sein will, soll allen anderen Sklavendienste leisten. 45 Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für alle Menschen hinzugeben.“    

(www.bibleserver.com; Gute Nachricht)

 

Auch nach der dritten Todesankündigung geht es den Jüngern wieder um Macht und Ansehen. Haben sie denn nichts gelernt? Doch, das haben sie bestimmt. Sie sind nun immerhin schon ein paar Jahre mit Jesus unterwegs. Aber sie bleiben Menschen, die nicht perfekt sind.

     Alle zeigen mit dem Finger auf Jakobus und Johannes: „Die wieder! Wollen eine Extrawurst! Wollen möglichst nahe bei Jesus sein, auf den Ehrenplätzen! Grummel.“

     Aber haben die anderen zehn nicht auch so gedacht? Sich vielleicht nicht getraut, den Wunsch auszusprechen – aber sich innerlich schon ausgemalt, wie es sein wird, den Ehrenplatz zu besetzen…

     Ist Ihnen das auch schon passiert? Es ging vielleicht nicht um den Ehrenplatz im Himmel. Aber wir wären auf jeden Fall in bester Gesellschaft, falls wir uns auch schon mal in Tagträumen verloren und uns ausgemalt hätten, wie es wäre, … wenn wir das Sagen hätten.

… wenn wir auf der Position unseres Vorgesetzten sässen.

… wenn wir die politischen Fäden in der Hand hätten.

… wenn wir die Sozialkosten steuerten.

… wenn wir jeden Tag im Rampenlicht stünden.

… wenn wir… den Ehrenplatz hätten und beachtet würden.

     Ist denn Träumen falsch? Es gibt doch Sprichwörter wie: „Wenn einer träumt, bleibt es ein Traum. Wenn viele träumen, ist das der Anfang einer neuen Wirklichkeit.“
     Ich denke nicht, dass Träumen falsch ist. Dass es falsch ist, wenn man sich etwas vorstellt und auf etwas hin arbeitet.

     Aber es ist nicht gut, wenn dieser Traum zu Uneinigkeit, zu Streit und Neid unter Jesus-Nachfolgern führt. Jesus kritisiert nicht den Traum der beiden, in der Ewigkeit neben ihm zu sitzen. Aber er weiss, dass die beiden die Kosten ihres Wunsches nicht kennen. Ihr Wunsch tönt daher irgendwie überheblich. Und Überheblichkeit ist ein Gegenteil von Dienen. Überheblichkeit ist ein Zeichen der Welt. Der Welt, die ohne Gott lebt. Es ist ein Zeichen der Grossen und Mächtigen, die ihre Untertanen unterdrücken, die sie in eine schädliche Abhängigkeit führen, die kein Gehör mehr haben für die Anliegen der einfachen Leute.

     Überheblichkeit passt nicht zu seinen Jüngern. Jesus hat einen anderen Traum. Er träumt davon, dass die Jünger sein Vorbild nachahmen. Dass sie, wie er, den anderen dienen. Dass sie durch ihr Kleinsein gross werden. Das ist nämlich der Weg Christi. Das ist die Grösse Gottes: Gott ruft das Kleine, Verstossene, Besiegte zum Leben. Er ändert Situationen, die ausweglos scheinen. Er schafft dort Leben, wo alles tot erscheint. Er löscht den glimmenden Doch nicht aus, sondern entfacht ihn neu, und lässt es aus dem abgesägten Baumstumpf neu spriessen.

     Jesus fragt Jakobus und Johannes, ob sie den gleichen Kelch trinken und die gleiche Taufe über sich ergehen lassen können wie er. Also ob sie auch bereit seien, zu leiden und „unten durch“ zu gehen wir er. Sie sagen: Ja.

     Sind wir auch bereit dazu? Sind wir bereit, „uns selbst zu verleugnen, das Kreuz auf uns zu nehmen und Jesus nachzufolgen, unser Leben um des Evangeliums Willen zu verlieren“? Sind wir bereit, „Letzter zu sein statt Erster“, „ein Kind um Jesu Willen aufzunehmen“? Sind wir bereit, „Diener und Knecht zu sein“, wie auch Jesus „nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele“?

     Sind wir bereit, Gottes Träume für unser Leben zu träumen? Träume, in denen es auch mal abwärts geht – bevor es dann aber siegessicher aufwärts – himmelwärts – geht?

     Möge Gott uns helfen, uns nach ihm und seinen „Erfolgsmassstäben“ auszurichten und nicht nach dem, was in der säkularen Welt zählt.

     Amen.

 

Nach diesem Zwischenspiel von Johann Sebastian Bach (1685-1750) dem zweiten Vers des Choralvorspiels „O Lamm Gottes, unschuldig“ BWV 656, kommen wir zu den Fürbitten und dem Unservater:

 

Gott, wir bringen unsere Anliegen vor dich im Vertrauen auf deine Barmherzigkeit.

     Wir bitten um Frieden und Gerechtigkeit in der Welt – und bitten da besonders für die Menschen in Syrien und in den Flüchtlingslagern. Herr, erbarme dich.

     Wir bitten für alle, die in Staat und Gesellschaft Verantwortung tragen – und bitten da besonders für unsere Bundesräte und ihre Berater. Herr, führe und leite du sie.

     Wir bitten für die Christinnen und Christen in allen Kirchen – und bitten besonders für diejenigen, die ihren Glauben im Versteckten ausleben müssen. Herr, stärke du sie.

     Wir bitten dich für unsere Gemeinde – lass uns durch diese Krise näher zueinander und zu dir rücken.

     Wir bitten dich für die Kranken und Einsamen, für die Gescheiterten und Verbitterten, für die Fremden und Heimatlosen. Herr, tröste du sie, verbinde du ihre inneren und äusseren Wunden.

     Wir bitten dich für unsere Familien und Mitmenschen, mit denen wir leben, arbeiten, denen wir begegnen. Herr, bewahre sie und uns vor Krankheit und Not und davor, uns von dir zu entfernen.

 

In der Stille bringen wir dir unsere persönlichen Anliegen:

 

Gemeinsam beten wir die Worte, die Jesus seine Jünger lehrte:

 

Unser Vater im Himmel

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Obwohl wir uns nicht persönlich sehen und miteinander reden können, ist unser Seelsorgeteam gerne für Sie da, wenn Sie ein Gespräch wünschen. Rufen Sie uns an oder kontaktieren Sie uns schriftlich.

 

Vor dem Ausgangsspiel (Johann Sebastian Bach (1685-1750) der dritte Vers des Choralvorspiels „O Lamm Gottes, unschuldig“ BWV 656) spreche ich Ihnen den Segen aus 2. Korinther 13, 13 zu:

 

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“  Amen.   

                                   (www.bibleserver.com; Luther)

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Kollekte

In der Fastenzeit geht die Kollekte an folgende Projekte:

PROJEKT 3
INDONESIEN: WIDERSTAND GEGEN WEITERE PALMÖLPLANTAGEN (Brot für alle-Projekt):

Die weltweite Nachfrage nach dem Öl steigt ständig. Und davon wollen viele profitieren. Entsprechend schnell vergrössern die Konzerne ihre Plantagen. Die Rechte der Menschen in den Dörfern bleiben dabei auf der Strecke. Der Bevölkerung steht nur noch ein kleiner Teil des nutzbaren Bodens zur Verfügung. So fehlt vielen das Land, um Nahrung für sich und die Familie anzubauen. Und nur wenige finden Arbeit auf den Plantagen oder in der Verarbeitung des Palmöls. Zusammen mit der Partnerorganisation Walhi setzt sich Brot für alle für die Rechte der Bevölkerung ein und unterstützt sie im Widerstand gegen Landgrabbing.

PROJEKT 4
KAMERUN: UNTERTÜTZUNG VON UEEC:

Als Kirchgemeinde unterstützen wir die Partnerkirche UEEC in Kamerun seit 2014. In dieser Zeit wurden verschiedenste Projekte (Kirchenneubau in Douala, Gesundheitszentrum in Touboro, Inlandflüchtlingshilfe, usw.) von uns finanziell unterstützt. Seit 2011 ist SAM global das Verbindungsglied zwischen den Kirchen in der Schweiz und in Kamerun.

Mit dem Auftreten der Extremistengruppe Boko Haram in der Region Extrême Nord mussten 2014 sämtliche Einsatzleistende von SAM global das Land verlassen. Seither verantwortet die UEEC die Projekte in Zusammenarbeit mit zahlreichen, gut ausgebildeten, pflichtbewussten und initiativen lokalen Mitarbeitenden. SAM global sorgt weiterhin dafür, dass unsere Spenden an den richtigen Ort kommen.

 

Wenn bei einer Einzahlung nichts angekreuzt ist, geht der eingegangene Betrag je zur Hälfte an die beiden Projekte.

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