Sonntags Gottesdienst vom 22.03.2020

von

Info und Kontakte

Predigt und Ablauf: Ruedi Bertschi

E-Piano ond Orgel: Oliver Kopeinig

Technik und Schnitt: David Züllig

Ablauf und Predigt als Text

Gottesdienst vom Sonntag, 22. März 2020
aus der Kirche von Romanshorn

1. Eingangsspiel (E Piano (Ave Maria 1. Teil)
2. Eingangswort u. Gruss

Es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart (Daniel 2:28)

Liebe Hörerinnen und Hörer

Aus dem ergreifenden Musikstück «Ave Maria» von Bach & Gounod haben wir die erste Hälfte gehört. Und dann also die Tageslosung aus dem Buch Daniel. Das ist ein eigenartiges Wort. «Es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart.» Offenbaren, das heisst ja so viel wie «aufdecken», «ans Licht bringen»... «Es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse ans Licht bringt.» Gibt’s denn so was? Lebt nicht die Religion vom Geheimnis, vom Verborgenen, ja manchmal sogar vom Nebulösen. – Mitten im unserer so speziellen Zeit, wo das gesamte öffentliche Leben bewusst lahmgelegt ist. Mitten in unserer speziellen Zeit, wo Schulen, Kirchen und die meisten Geschäfte geschlossen bleiben. Mitten in unserer so speziellen Zeit, wo uns aus Italien Bilder erreichen, die man nur von ganz grossen Katastrophen in fernen Ländern, sieht. Mitten in unserer speziellen Zeit, ist es vielleicht gut zu wissen, dass der Gott der Juden und der Christen ein Gott ist, der auf- und nicht zudeckt, der aufklärt und nicht vernebelt. – Herzliche Willkommen zu unserem Gottesdienst aus der leeren evangelischen Kirche in Romanshorn.

Zu Gott wollen wir nun beten. Wir falten unsere Hände oder neigen uns vor IHM:

Dreieiniger Gott vor dich kommen wir heute, in dieser so speziellen Zeit. Nimm du ins hinein ins Hören auf die Musik, ins Lauschen auf ein Wort aus der Bibel, ins Nachdenken darüber und ins Beten vor dir.

Dreieiniger Gott ein neuartiger Virus beherrscht die Medien, beherrscht unser Leben und zieht Menschen an den Rand des Abgrundes und darüber hinaus.

Dreieiniger Gott, hilf, dass grad durch diese Stunde Hoffnung und Vertrauen in dich und in die Menschen wächst. Im Namen deines Sohnes Jesus Christus. AMEN.

3. Melodie: Grosser Gott wir loben dich

4. Lesung aus 1. Mose 8:20-22

Ganz besondere Zeiten rufen nach Worten aus ganz besonderen Epochen. Hier sind sie, von ganz, ganz Vorne in der Bibel: 20 Und Noah baute dem HERRN einen Altar. Dann nahm er von allen reinen Tieren und von allen reinen Vögeln und brachte Brandopfer dar auf dem Altar. 21 Und der HERR roch den beschwichtigenden Duft, und der HERR sprach bei sich selbst: Nie werde ich wieder die Erde verachten um des Menschen willen. Denn das Trachten des Menschenherzens ist böse von Jugend an. Und nie werde ich wieder schlagen, was da lebt, wie ich getan habe. 22 Solange die Erde währt, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

 

Nach der Sintflut – Ein Zwischenruf

Liebe Zuhörerinnen, Liebe Zuhörer

Wir alle wissen es. Die letzten Tage waren historisch. Seit dem 2. Weltkrieg wurden nie mehr so viele Soldaten aufgeboten. Kein Soldat darf mehr in den Urlaub - auch unser 19-Jähriger Johannes nicht, der gerade mal 10 Wochen RS hinter sich hat. Es sind bereits 70 Jahre her, dass das letzte Mal die öffentlichen Sonntagsgottesdienste abgesagt wurden. Damals wegen den Kühen und der hochasteckenden Maul- und Klauenseuche. Jetzt ist es wegen uns Menschen. Wer die gespenstisch, verstörenden Bilder aus Cremona in Italien gesehen hat, der wusste für einen Moment nicht mehr recht, heisst die Stadt noch «Cremona» oder wurde sie bereits in «Corona» umbenannt.

Darum, sozusagen als Zwischenruf, eine Szene von nach der Sintflut. 20 Und Noah baute dem HERRN einen Altar. Dann nahm er von allen reinen Tieren und von allen reinen Vögeln und brachte Brandopfer dar auf dem Altar. 21 Und der HERR roch den beschwichtigenden Duft, und der HERR sprach bei sich selbst: Nie werde ich wieder die Erde verachten um des Menschen willen. Denn das Trachten des Menschenherzens ist böse von Jugend an. Und nie werde ich wieder schlagen, was da lebt, wie ich getan habe. 22 Solange die Erde währt, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Nach der Sintflut, lässt uns Gott für einen ganz, ganz kleinen Moment, in sein Nähkästchen gucken. Oder wie die frommen Schwaben sagen «er schwätzt aus dem Nähkäschtle». Wir erfahren nämlich etwas von dem, was Gott «bei sich selbst» sagte, etwas das eigentlich sozusagen niemand etwas angeht. «Und der HERR sprach bei sich selbst: Nie werde ich wieder die Erde verachten um des Menschen willen. Denn das Trachten des Menschenherzens ist böse von Jugend an. Und nie werde ich wieder schlagen, was da lebt, wie ich getan habe. 22 Solange die Erde währt, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.»

Wouw! Gut zu wissen! Das ist doch schon mal etwas! – Eigentlich könnte man hier die Predigt bereits abbrechen und sagen: «Merke dir das und verlier den Glauben in die Zukunft nicht!» Umso mehr als ein paar Jahrtausend Menschheits-, Seuchen- und Katastrophengeschichte beweisen: Gott hat sich an das gehalten, was er damals «bei sich selbst» gesagt hatte!!  Einmal Sintflut und nie wieder Sintflut!!!

Wir stehen, statistisch gesehen, mitten in einem Jahrhundertereignis. Und je nachdem wie der Virus mutiert, wird es den einen oder andern von uns noch treffen. Ja, es könnte sein, dass sich die Friedhöfe doch wieder füllen, einfach weil die bestehenden Krematorien gar nicht die Kapazität haben, allen Einäscherungswilligen, ihren letzten Wunsch zu erfüllen. Es ist sehr wohl möglich, dass wir danach hier in unserer Gegend weniger sind als zuvor. Das ist alles möglich, weil es das alles so auch schon gegeben hat.

ABER, das ist nicht das letzte Wort. Nein, der Virus hat nicht das letzte Wort. Auch dann nicht, wenn er ein ganz grosses Wort mitredet. Auch für ihn kommt, die Stunde, wo seine letzte Stunde schlägt. Denn die uralte Verheissung gilt: «Nie werde ich wieder die Erde verachten um des Menschen willen. Denn das Trachten des Menschenherzens ist böse von Jugend an. Und nie werde ich wieder schlagen, was da lebt, wie ich getan habe. 22 Solange die Erde währt, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.»

Gläubig sein bedeutet im Moment: Gehirn einschalten!! Wenn wir nämlich an einen weisen, intelligenten und kreativen Gott glauben, dann gilt es auch weise, intelligent und kreativ zu handeln. Darum gibt es in unserer Gemeinde im Moment kein Händeschütteln, keine Umarmung, keine Versammlungen, auch keine Gebetsversammlungen. Wir glauben, dass Gott uns auch als einzelne erhört oder im Chor von Einzelnen. Darum halten wir uns an alle Regeln der Gesundheitsbehörden.

Gläubig sein bedeutet im Moment: Den Mut nicht verlieren! So lange wir können bleiben wir kreativ und versuchen, den Glauben in dieser Situation zu pflegen, zu üben und zu wagen. Immerhin hat Zwingli vor 500 Jahren bei der Zürcher Bevölkerung auch dadurch viel Vertrauen gewonnen, weil er nicht nur sehr schön, sehr gut und sehr wahr predigte, sondern in der Pestzeit den Menschen auch nachgegangen ist und sich selber mit der Pest angesteckt hat. Sein Glaube hatte sich in der Krise bewährt, indem sein Glaube in Gottes Barmherzigkeit grösser war als die Furcht vor der Ansteckung.

Darum, wer Hilfe braucht beim Einkauf, für einen Arztbesuch, für etwas, das im Haus und in der Wohnung nicht funktioniert, der soll sich beim Seelsorgeteam, beim Sekretariat oder auch einfach bei einem Angehörigen melden. Und genauso melden sich die, die jetzt Zeit und Kraft haben beim Seelsorgeteam, beim Sekretariat, bei der Gemeindebörde, damit denen geholfen werden kann, die jetzt Hilfe brauchen. Der Heilige Geist wirkt in der Regel nicht durch Träume und Visionen, sondern durch einen wachen Geist, der dort anpackt, wo es nötig ist. Geistesgegenwärtigkeit bedeutet oft schlicht und einfach ein Telefon in die Hand zu nehmen und um Hilfe bitten oder Hilfe annehmen. Denn die Verheissung, die gilt: Nie werde ich wieder die Erde verachten um des Menschen willen. Denn das Trachten des Menschenherzens ist böse von Jugend an. Und nie werde ich wieder schlagen, was da lebt, wie ich getan habe. 22 Solange die Erde währt, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.  AMEN.  


5. Zwischenspiel: Geh unter der Gnade

6. Fürbitten und Unser Vater

Himmlischer Vater
Es war schon alles mal viel schlimmer, und gerade darum hast du auch so klare Worte gesprochen.

Hilf uns in dieser bewegenden Zeit, Kopf und Verstand einzuschalten.

Hilf uns auf Dinge zu verzichten, die in normalen Zeiten so selbstverständlich sind.

Hilf uns Dinge zu wagen - Hilfen anzubieten und Hilfen anzunehmen - die man in normalen Zeiten so nicht macht.

 

Himmlischer Vater
Sei du mit den Menschen in Norditalien, die noch viel stärker betroffen sind, hilf du den Menschen in Madrid, wo der Virus noch ganz anders seine Kreise zieht.

Im Stillen beten wir für das, was uns selber jetzt noch ganz besonders bewegt.

Gemeinsam beten wir:
Unser Vater im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.


Ihnen allen, die sie jetzt zuhören oder nachlesen, spreche ich den Segen zu von dem Gott, der ein Gott des Lebens ist. ER sei ihnen nahe, Ihnen als Helfende oder Ihnen als Hilfe Empfangende. Wenn sie Hilfe brauchen melden Sie sich unter 071 466 00 00
oder 071 466 00 11.

 

Der Herr segne dich und behüte dich

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig;
Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden.

 

8. E-Piano (Ave Maria 2. Teil)

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