Sonntags-Impuls vom 17.05.2020

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Audio

Info und Kontakte

Predigt und Ablauf: Ruedi Bertschi

Musik: Bruno Sauder

Technik und Schnitt: Edith Lengacher, Albert Fistarol

 

Eingangsspiel: Frank Sinatra „My Way“
Zwischenspiel: Johann Sebastian Bach „Sing, bet und geh auf Gottes Wegen.“ BWV 647
Ausgangsspiel: Improvisation über „Vertraut den neuen Wegen“

 

Ablauf und Predigt als Text

Predigt vom 17. Mai zu Apostelgeschichte 22:4

Der christliche Glaube = Der neue Weg

 

 

Liebe Leserinnen und Leser

 

Wir sind jetzt auf dem Bänklein neben unserer Kirche. Der christliche Glaube als «der neue Weg!» So haben wir es schon in der Begrüssung vernommen und aus den Musikstücken gehört. - Gell, der christliche Glaube hat ja viele Bezeichnungen, je nach Standpunkt und persönlicher Glaubens- oder auch Unglaubensgeschichte: Die einen sehen den christlichen Glauben mehr als ein grosses Lehrgebäude, andere als eine Religion, ja sogar als eine Weltreligion und wieder andere als einen Grundstock von Werten und nochmals andere als Grundlage für ihre Lebens- und Glaubensgemeinschaft. Arme erleben den christlichen Glauben zuweilen als Rettungsanker, dort wo es was zu essen, zum Anziehen oder einen Ort zum Schlafen gibt. Arme erleben den christlichen Glauben manchmal aber auch als Ort der Ablehnung, der Vorwürfe und des Zeigefingers. In seiner Verteidigungsrede vor seinen aufgebrachten Landsleuten in Jerusalem spricht der Apostel Paulus vom «neuen Weg». Dabei wird er mit folgenden Worten zitiert: «Den neuen Weg verfolgte ich bis auf den Tod. Festnehmen und ins Gefängnis werfen liess ich Männer und Frauen.»

 

«Der neue Weg …»  Was für eine Bezeichnung! - Jeder von uns hat sich in seinem Leben schon auf einen neuen Weg gemacht. Ganz wörtlich, um von A nach B zu kommen, zu Fuss, mit dem Fahrrad, mit dem Auto, mit dem Zug, manchmal sogar mit dem Flugzeug. - Am meisten erlebt man im Verhältnis zur Wegstrecke, wenn man zu Fuss unterwegs ist. Im Flugzeug erlebt man im Verhältnis zur Wegstrecke am wenigsten… Und noch etwas: Wenn man sich auf einen neuen Weg macht, weiss man noch nicht ganz genau wie alles ablaufen wird. Man muss den Weg zuerst ablaufen, bevor man weiss, was da alles abläuft.

 

Meine Frau Claudia und ich, wir sind neulich von Kreuzlingen auf dem Schwabenweg nach Märstetten gewandert. Wir waren darauf zum ersten Mal unterwegs. Wir hatten keine Ahnung wie malerisch das alles sein wird. Dafür mussten wir am Schluss die Kirche in Märstetten noch so richtig suchen, weil unser GPS im Auto fest eingebaut ist und meine Frau doch unbedingt ihren ersten Pilgerstempel holen wollte.

 

«Der neue Weg!»  Der christliche Glaube als «neuer Weg». Was für ein wunderbares Bild! «Der neue Weg». Christ werden bedeutet: sich auf den neuen Weg machen. Christ bleiben bedeutet: auf dem neuen Weg  bleiben. Als gestandener Gottesbote und Praktizierender des neuen Weges, gesteht Paulus, dass er den neuen Weg zuerst verfolgt hatte. Wir haben es gehört: «Den neuen Weg verfolgte ich bis auf den Tod; festnehmen und ins Gefängnis werfen liess ich Männer und Frauen.»  Ja, das gehört zu dem neuen Wegen, dass es Leute gibt, die finden: den neuen Weg, den brauchen wir so nicht! Der neue Weg, der ist nicht nur unnötig, sondern der stört. Der neue Weg wirkt gar bedrohlich, zersetzend und zerstörerisch! Wir Menschen, wir gleichen manchmal den Kälbern, wenn sie zum ersten Mal aus dem Stall auf die frische, grüne Wiese dürfen. Kälber sind als Nestflüchter eigentlich für die Wiese gemacht. Aber nun ist ihnen der Stall total vertraut und die Wiese völlig fremd. Also bocken sie und stemmen sich mit aller Kraft dagegen, die Wiese betreten zu müssen. Wir Menschen, wir gleichen manchmal den Kälbern.

 

Der neue Weg, die frohe Botschaft von Jesus Christus, das war in den Anfängen für viele zuerst einfach mal eine Bedrohung ihres vertrauten Weges. Das war in Jerusalem so, das war aber auch später im Wallis so, genauso in Zürich und selbst bei uns hier am Bodensee. Die Geschichten, Sagen und Heiligenlegenden berichten davon: Das Abschlachten der christlichen thebäischen Legion im Wallis, das Enthaupten von Felix und Regula in Zürich, das Vertreiben von Gallus und Kolumban aus dem Bodenseegebiet.…

 

Doch jetzt kommts! «Der neue Weg», er war so vital, so kraftvoll, so heilsam und so Geist erfüllt… Der neue Weg, er suchte sich seinen Weg zu den Menschen zu ihren Herzen, Hütten und Häusern, in Jerusalem, im Wallis, in Zürich, im Bodenseegebiet. Der neue Weg. Ist er auch hier und heute wieder der neue Weg? Was denken Sie? - Vielleicht müsste eine ehrliche Antwort lauten: Ja und Nein. Nein, weil ihn natürlich inzwischen schon viele Millionen Menschen den neuen Weg gegangen und inzwischen längst verblichen sind. Nein, weil auch gegenwärtig viele Millionen auf dem neuen Weg unterwegs sind. Und dennoch, der neue Weg, er ist und bleibt der neue Weg. Denn er ist heute genauso frisch und neu, wie am ersten Tag für jeden, der ihn unter seine Füsse nimmt. Denn der christliche Glaube ist seinem Wesen nach immer wieder ein neuer Weg, den man nur erfahren kann, indem man sich auf den neuen Weg macht und damit seinen ureigenen und ur-neuen Weg geht.

 

Als 59-jähriger Pilger - was gab es da schon alles für Wegstrecken? Als Kind habe ich die uralten Weg-Geschichten der Bibel aufgesogen. Als Teenager habe ich mich für eine Nachfolge entschieden und glaubte damit meine Grosseltern, Eltern, Geschwister und die meisten im Dorf im Glauben überholt zu haben. Als junger Mann entdeckte ich südlich der Sahara wieder ganz neue Glaubenswege. Junge Afrikanerinnen und Afrikaner kamen zum Glauben, weil sie entdeckten, dass der Gott der Christen nicht im Dorf zurückbleibt, sondern mit auf den Weg in die Grossstadt kommt, ja dass Gott dort in der grossen Stadt bereits auf sie wartet. Also entschieden sie sich für den neuen Weg, weil der Alte für ein neues Leben nicht mehr taugte. Auf meine Höhenwege folgten Tiefenwege, mit Gelbsucht und Malariaschüben, mit Erschöpfung und Klinikaufenthalten.  Das waren sehr neue Wege, die ich mir weder gesucht, noch erhofft und schon gar nicht erträumt hatte. Bis ich merkte, dass Staub- und Wüstenwege Teil des neuen Weges sind. Hätte mir jemand vor drei Jahren gesagt, du wirst nochmals eine neue Stelle suchen, eine neue Stadt und ein neues Haus – ich hätte ihn ob so viel Neue-Wege-Vision vielleicht etwas sonderbar angeschaut… Heute weiss ich, dass dies zu meinem neuen Weg gehört, zu meiner lebenslänglichen Pilgerschaft. Der neue Weg… Er hört nie auf, selbst dann nicht, wenn wir alt und müde werden. Und irgendeinmal geht es dann einfach auf die letzte Reise. Der letzte neue Weg, der wird dann zum Nach-Hause Weg! – Willst du mitkommen? Sadhu Sundar Singh ein Wandermönch aus einer Sikh-Familie sang, nachdem er auf den neuen Weg eingebogen war: “Ich bin entschieden, zu folgen Jesus. Niemals zurück, niemals zurück.» AMEN.

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TEF Thurgauische Evangelische Frauenhilfe

Die Thurgauische Evangelische Frauenhilfe berät, unterstützt, sensibilisiert und fördert Frauen auf verschiedenen Gebieten im kirchlichen und öffentlichen Leben. Sie bietet Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen (Partnerschaftsproblemen in der Familie, Fragen zu Trennung und Scheidung, Beratung von Alleinstehenden und/oder Alleinerziehenden, finanzielle Notlagen, einfache Rechtsauskünfte, Weitervermittlung an andere Fachstellen) Frauen und deren Familien aus dem ganzen Kanton Thurgau, unabhängig von Konfession und Nationalität, können sich bei der professionell geführten Beratungsstelle melden. Die Beratungen sind unentgeltlich. Die tef betreibt in Romanshorn die „Wohnen auf Zeit“-Wohnung: Personen, die vorübergehend eine Wohnmöglichkeit brauchen, können hier zu einem moderaten Zins vorübergehend eine möblierte 2-Zimmerwohnung mieten. Wir freuen uns, dass es dieses wichtige Angebot in Romanshorn gibt und möchten dies mit unseren Gaben unterstützen.

 

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