Ostergeschichte
Sie hatten den Wanderweg am Bach asphaltiert und für Fahrräder freigegeben. Einerseits verständlich, andererseits ärgerlich: Ein Stück lebendige Erde konnte nicht mehr atmen. Zwei Jahre später ging ich abends noch einmal diesen Weg. An zwei Stellen blieb ich stehen und staunte: Der Asphalt war aufgebrochen, Gras und Löwenzahn hatten sich hindurchgekämpft. Besonders das leuchtende Gelb der Blüten faszinierte mich. Eine Pusteblume schien zu sagen: „Mit uns müsst ihr rechnen.“ – Ein Stück Auferstehung aus dem Asphalt.
Liebe Schwestern und Brüder
Diese «Ostergeschichte» zeigt: Das Leben bricht sich Bahn. Zu Ostern aber geht es um mehr als um das Wiederaufblühen der Natur. Wir hören von dem, der dem scheinbar unvermeidlichen Lauf von Leben und Tod eine neue Richtung gegeben hat: Christus ist auferstanden! Damit wird unser Wissen über Leben und Sterben in Frage gestellt.
Kein Wunder, dass die ersten Reaktionen Furcht und Unglauben waren. Erst in der Begegnung mit dem Auferstandenen erkennen die Jünger: Wir sind nicht verloren, unser Leben bleibt in Gottes Hand. Diese Botschaft sollen sie weitertragen: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen.“ Die Welt soll aufatmen können.
Das Vertrauen auf Christus ist bis heute wie eine Wurzel, das Evangelium wie der Samen des Löwenzahns: Manchmal wächst er dort, wo man es nicht erwartet, und sprengt den Asphalt. So bringen heute wir Christen die Botschaft vom Sieg des Lebens in die Welt.
Pfarrer Lars Heynen