Ein Lichtblick aus der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Romanshorn

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Da steht am vergangenen Freitagabend ein Mann vor der Tür. Er kommt aus Ungarn und hat einen etwas zweifelhaften Ruf. Er ist nicht böse, nur nicht immer ordentlich. Das Aufnehmen von armen Fremden ist Christenpflicht. Was aber bereits in guten Zeiten eine nicht zu unterschätzende Herausforderung darstellt, nimmt in einer Jahrhundertsituation nochmals viel krassere Züge an. Immerhin ist der Mann gefährdet und gefährdend zugleich!  - Da kommt mir in den Sinn, dass vor zwei Jahren ein nicht weniger origineller Pilger aus dem fernen Libanon bei uns anklopfte und darauf bestand, die Nachtruhe in unserer kleinen Friedhofkapelle zu verbringen. Ich staunte damals, zögerte, wunderte mich und gab nach dem dritten Bekreuzigen nach. - Darum ging jetzt alles sehr schnell. Mein guter Nachbar lieferte mir eine Reisematratze mitsamt Bettzeug. Meine Frau steuerte eine Steppdecke bei. Unser Mesmer schaltete umsichtig die Heizung ein. Und die Diakonieverantwortliche gab grünes Licht, dass wir den erkälteten, etwas unterkühlten von allerlei misslichen Lebensumständen gezeichneten Mann aus Ungarn einquartieren konnten. Das Schildchen an der Tür möge dazu beitragen, dass jeder nach dem Friedhofbesuch wieder getrost in seine virensichere Wohnung zurückkehren kann, ohne vom Gedanken gequält zu werden, vielleicht doch einem Gespenst begegnet zu sein.  

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