Gott hat mich als Lakota gefunden
von Monika Visintin
Es ist ein Kontakt über den grossen Teich: Vor einer Woche waren der Pastor und Mitglieder der Woyatan-Gemeinde Gäste im evangelischen Gottesdienst. Sie sind neu die Partnergemeinde der hiesigen Kirchgemeinde.
Es sind besondere und bewegende Geschichten, von denen er erzählt: Jonathan Old Horse gehört zur Lakota-Nation und ist Pastor der Woyatan-Gemeinde, die der lutherischen Konfession zugehörig ist. Zusammen mit Christopher White Eagle lud er trommelnd zum sonntäglichen Gottesdienst ein. Und gemeinsam haben sie den Besucherinnen und Besuchern mit dem «Smudging-Ritual» den Segen Gottes zugesprochen.
Zustande gekommen ist der Kontakt und der jetzige Besuch in der Schweiz durch Markus Pilman. Er ist Mitglied der Kirchenvorsteherschaft. Zusammen mit seiner Frau Sonja lebte er während sieben Jahren in den USA, in South Dakota: « Meine Frau war Pfarrerin in einer lutherischen Gemeinde in Rapid City, ich habe da die Woyatangemeinde kennengelernt. Und mich dabei in der Kinder- und Jugendarbeit engagiert. Hier in Romanshorn habe ich die Idee in die KV eingebracht, mit ihnen als Partnergemeinde eine Beziehung aufzubauen. Das wurde positiv aufgenommen: In den vergangenen zwei Wochen war mit Jonathan Old Horse, Christopher White Eagle, Tarah White Eagle und ihrer Tochter Caylee Martinez eine Delegation hier zu Besuch. Unter anderem haben Treffen mit MitarbeiterInnen, mit Jugendlichen, dem Mittagstisch-Team und eben KirchbürgerInnen im Gottesdienst stattgefunden. Das waren durchwegs spannende und berührende Begegnungen», so Pilman.
Verträgt sich gut
Nach dem Gottesdienst stellt sich unweigerlich die Frage: Wie passen die Lakota-Kultur und Christsein zusammen ? Für Pastor Jonathan Old Horse ist klar: «Ein weisser Pfarrer hat mich seinerzeit unterstützt und motiviert, im Gottesdienst zu trommeln und das «Smudging-Ritual» (Räucherritual) durchzuführen. Heute kann ich sagen: Gott hat mich als Lakota gefunden. Und ich weiss: Ich bin Christ und Lakota. Denn davon bin ich überzeugt. Die Menschen jeder Hautfarbe sind miteinander verbunden, sozusagen als Menschheitsfamilie. Gott ist mit uns und mit der ganzen Schöpfung verbunden und in Beziehung.
Beziehung, relationship, das Verbindende, darauf kommt es an», ist Jonathan überzeugt.
In Beziehung bleiben
Und so wie die Woyatangemeinde so etwas wie ein «Juwel» in South Dakota, in den USA, einem Land, das zunehmend ein System der Trennung ist – so können sich vielleicht zwischen Romanshorn und Rapid City, zwischen der Woyatan-Gemeinde und der evangelischen Kirchgemeinde Beziehungen entwickeln. Auch über weite Distanzen: «Vielleicht mit virtuellen Verbindungen, mit gegenseitigen Besuchen. Im Bewusstsein, dass Menschen jeweils auf der anderen Seite des Atlantiks an die Anderen denken.»
Bildlegende: Sie waren Gäste in Romanshorn (von links): Christopher White Eagle und Jonathan Old Horse begrüssten die GottesdienstbesucherInnen trommelnd
Text und Bild: Markus Bösch